20. Februar 2026 | Beschäftigungsformen, Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen
Wir müssen in Deutschland unterm Strich mehr arbeiten – die gesetzliche Einschränkung des Teilzeitanspruchs ist dafür der falsche Weg
Auf den ersten Blick wirkt die aktuelle Teilzeitdebatte widersprüchlich: In Deutschland wird insgesamt so viel gearbeitet wie nie, auch die Beschäftigungsquote ist im internationalen Vergleich sehr hoch. Allerdings stieg die Zahl der Beschäftigten in Deutschland zwischen 2015 und 2025 mit 11 Prozent deutlich stärker als das Arbeitsvolumen, also die Summe aller geleisteten Arbeitsstunden, das nur um 7 Prozent zulegte.
Das hängt mit dem Anstieg der Teilzeit zusammen: Lag die Teilzeitquote vor 25 Jahren noch bei 29,4 Prozent, stieg sie bis 2015 auf 38 Prozent und bis 2025 auf etwas über 40 Prozent. Damit sank auch die durchschnittliche Jahresarbeitszeit pro Beschäftigtem von 1.376 Stunden im Jahr 2000 über 1.338 Stunden im Jahr 2015 auf knapp 1.300 Stunden im Jahr 2024. Im internationalen Vergleich ist das wenig, lag sie im OECD-Durchschnitt im Jahr 2024 doch bei 1.786 Stunden, in der Schweiz bei 1.532 Stunden und in Frankreich bei 1.491 Stunden.
Umgekehrt ist die Beschäftigungsquote von Personen im erwerbsfähigen Alter hierzulande im internationalen Vergleich sehr hoch: 2025 betrug sie knapp 78 Prozent, im OECD-Durchschnitt gut 70 Prozent und in Frankreich gut 69 Prozent. Allerdings schneidet beispielsweise die Schweiz mit 80 Prozent noch etwas besser ab als Deutschland.
Starker Anstieg der Teilzeitquote
Deutschland arbeitet also insgesamt mehr denn je – vor allem, weil mehr Frauen und Ältere erwerbstätig sind. Das ging mit einem deutlichen Anstieg der Teilzeit einher, vor allem in den 2000er und frühen 2010er Jahren. Teilzeit kann dazu beitragen, Arbeitskräfte zu gewinnen, für die eine Vollzeittätigkeit nicht in Frage kommt. Vielfach bietet sie Betrieben und Beschäftigten mehr Flexibilität. Zudem ist Teilzeit allemal besser, als gar nicht zu arbeiten, wie dies noch in den 2000er Jahren häufiger der Fall war.
In Zukunft könnte die hohe Teilzeitquote angesichts der demografischen Entwicklung jedoch zum Problem werden: Denn die Zahl der Erwerbspersonen in Deutschland wird sinken, Zuwanderung und höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren können das nur teilweise ausgleichen. Gleichzeitig geht uns die Arbeit auch in Zeiten von KI mitnichten aus, etwa in den Bereichen Pflege, Gesundheit und Erziehung. Im Klartext bedeutet das: Wenn die Produktivität – wie sich bereits in den letzten Jahren abgezeichnet hat – kaum mehr wächst und zugleich weniger Menschen arbeiten, muss die Arbeitszeit pro Kopf steigen, um Personalengpässe zu vermeiden und damit unseren wirtschaftlichen Wohlstand zu sichern.
Frankreich als abschreckendes Beispiel
Eine Einschränkung des Rechts auf Teilzeit ist dafür jedoch keine Lösung! Arbeitszeitflexibilität ist ein volkswirtschaftlich wie gesellschaftlich hohes Gut, das es vielen Beschäftigten erleichtert, Beruf, Familie, Weiterbildung und persönliche Lebensgestaltung besser miteinander zu vereinbaren. Der Vorschlag, das Recht auf Teilzeit einzuschränken, hat daher zu Recht starke Kritik ausgelöst, auch weil der Vorschlag angesichts der hohen Teilzeitquote von Frauen als eine Benachteiligung von Frauen wahrgenommen wird.
Lehrreich sind in diesem Zusammenhang Erfahrungen aus Frankreich: Die Einführung einer Mindestwochenarbeitszeit von 24 Stunden im Jahr 2014 führte dort dazu, dass weniger Menschen arbeiteten, nicht mehr – darunter besonders Frauen.
Gleichzeitig hat Teilzeit auch Nachteile. Die Forschung zeigt, dass längere Teilzeitphasen, vor allem nach der Geburt eines Kindes, häufig mit dauerhaften Karriereeinbußen einhergehen – Stichwort „Teilzeitfalle“. Dies gilt insbesondere dann, wenn Mütter in Minijobs tätig sind. Denn oft findet später, wenn die Kinder älter sind, keine Rückkehr in Vollzeit statt. Gründe sind unter anderem fehlende oder unzuverlässige Betreuungsmöglichkeiten und tradierte Vorstellungen von der innerfamiliären Arbeitsteilung, die einer Ausweitung der Arbeitszeit von Müttern auch dann entgegenstehen können, wenn diese von ihnen als wünschenswert angesehen wird.
Hinzu kommen verschiedene finanzielle Fehlanreize, die dafür sorgen, dass sich eine Ausweitung der Arbeitszeit für Mütter kurzfristig oft finanziell kaum lohnt, unter anderem wegen des Ehegattensplittings oder aufgrund bestehender Minijobregelungen. Nicht selten blenden die Betroffenen die längerfristig stark negativen Effekte auf ihre Verdienstmöglichkeiten und ihr Einkommen im Alter aus.
Fazit
Es bestehen demnach zahlreiche Hürden, die insbesondere teilzeitbeschäftigte Frauen davon abhalten können, länger zu arbeiten. Diese Hürden zu reduzieren, ist nicht nur im Sinne der Betroffenen, sondern auch aus volkswirtschaftlicher Perspektive sinnvoll.
Teilzeit kann dennoch Teil der Lösung sein – vor allem, wenn sie Menschen im Arbeitsmarkt hält, und insbesondere dann, wenn sie vollzeitnah gestaltet ist. Modelle, bei denen Paare mit Kindern jeweils etwa 25 bis 30 Stunden pro Woche arbeiten und eine gute Kinderbetreuung gewährleistet ist, scheinen besonders geeignet, Mütter wie Väter dauerhaft im Arbeitsmarkt zu halten und die Einkommenseinbußen von Müttern zumindest auf ein vertretbares Maß zu begrenzen. Langfristig ist dies in jedem Fall produktiver und gerechter als ein klassisches Ein-Vollzeitverdiener-Modell.
In aller Kürze
- In Deutschland sind Beschäftigungsquote und Arbeitsvolumen so hoch wie nie. Dennoch wird eine Einschränkung des Teilzeitrechts gefordert.
- Ein höheres Arbeitsvolumen durch Ausweitung von Arbeitszeit unter Teilzeitbeschäftigten kann angesichts des demografischen Rückgangs der Erwerbspersonen dazu beitragen, künftige Personalengpässe abzufedern.
- Die gesetzliche Einschränkung von Teilzeit ist dafür keine Lösung. Vielmehr stärken flexible Arbeitszeiten die Erwerbsbeteiligung und die Vereinbarkeit von beruflichen und privaten Verpflichtungen. Erfahrungen etwa aus Frankreich zeigen, dass restriktive Regeln Beschäftigung sogar senken können.
- Teilzeit hat auch Risiken für die Betroffenen. So können Minijobs oder Ehegattensplitting Fehlanreize setzen und eine Teilzeitfalle für Mütter begünstigen, die langfristig zu Karriereeinbußen führt. Zielführender sind vollzeitnahe Modelle und verlässliche Kinderbetreuung, damit Arbeitszeiten auch tatsächlich steigen können.
Hinweis: Dieser Artikel ist die leicht geänderte Fassung eines Gastbeitrags, der am 10.2.2026 bei Focus+ erschienen ist.
Literatur
Carry, Pauline (2024): The Effects of the Legal Minimum Working Time on Workers, Firms and the Labor Market. Unveröffentlichte Arbeit, Princeton University.
Fitzenberger, Bernd; Kagerl, Christian (2025): Arbeitsmarkt im Wandel: Deutschland muss die Transformation annehmen, um seine Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. IAB-Forschungsbericht Nr. 12.
Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (2025): IAB-Arbeitszeitrechnung, drittes Quartal 2025.
Bild: Chutima Chaochaiya/stock.adobe.com
DOI: 10.48720/IAB.FOO.20260220.01
Fitzenberger, Bernd (2026): Wir müssen in Deutschland unterm Strich mehr arbeiten – die gesetzliche Einschränkung des Teilzeitanspruchs ist dafür der falsche Weg, In: IAB-Forum 20. Februar 2026, https://iab-forum.de/wir-muessen-in-deutschland-unterm-strich-mehr-arbeiten-die-gesetzliche-einschraenkung-des-teilzeitanspruchs-ist-dafuer-der-falsche-weg/, Abrufdatum: 20. February 2026
Diese Publikation ist unter folgender Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht: Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0): https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de
Autoren:
- Bernd Fitzenberger

Prof. Bernd Fitzenberger, PhD, ist Direktor des IAB und Professor für Quantitative Arbeitsökonomik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.