In den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres gab es noch positive Konjunktursignale. Nun verhindern die Auswirkungen des Irankriegs vorerst eine wirtschaftliche Erholung. So dämpfen Energiepreiserhöhungen die Kaufkraft und erhöhen die Produktionskosten. Das Geschäftsklima hat sich erneut deutlich verschlechtert. Am Arbeitsmarkt ist in den nächsten Monaten keine Verbesserung in Sicht.

Außenwirtschaftliches Umfeld

Im Vorjahr hat sich die Weltwirtschaft trotz Unsicherheiten wie der sprunghaften Zollpolitik der USA leicht erholt. Nun bremsen die höheren Energiepreise, die allgemeine Unsicherheit und mögliche Störungen in den Lieferketten in Folge des Irankriegs die wirtschaftlichen Aktivitäten. Der Internationale Währungsfonds hat zuletzt seine Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft von 3,3 auf 3,1 Prozent reduziert. Entsprechend haben auch die konjunkturellen Erwartungen für die nächsten Monate für die USA und den Euroraum weiter nachgegeben und bleiben pessimistisch. Für China haben sich die Erwartungen zwar stabilisiert, bleiben aber auch dort im negativen Bereich.

Außenhandel

Der deutsche Außenhandel entwickelte sich vor Beginn des Irankriegs nur verhalten. Trotz der anziehenden Weltwirtschaft hemmten der starke Euro und Unsicherheiten über die Einfuhrzölle in die USA die Erholung der Exportwirtschaft. Entsprechend ging auch die Industrieproduktion im Februar leicht zurück. Die Exporte konnten im Februar dennoch zulegen. Der Krieg im Nahen Osten macht sich in steigenden Energiekosten und in Lieferengpässen bei einigen Vorprodukten bemerkbar. Nachdem die Exporterwartungen im Vormonat deutlich zurückgegangen waren, haben sie sich im April aber wieder etwas aufgehellt.

Investitionen

Die Investitionstätigkeit hat sich zum Ende des Vorjahres noch verstärkt, wozu vor allem die Bauinvestitionen beigetragen haben. Bei den Umsätzen für Investitionsgüter und bei den Auftragseingängen gab es im Februar gegenüber dem Vormonat aber kaum Bewegung. Im Baugewerbe hat sich die Produktion im Februar nach einem Dämpfer im Vormonat etwas erholt, liegt aber weiter unter dem Niveau des letzten Quartals 2025. Die Baugenehmigungen im Februar folgten aber weiterhin einem ansteigenden Trend. Steigende Kosten für Baukredite und die höhere Unsicherheit dämpfen nun die Aussichten. Im April haben sich die Erwartungen im Bauhauptgewerbe für die nächsten Monate erneut verschlechtert.

Konsum

Auch von der Konsumnachfrage gibt es keine Impulse. Nachdem sich zum Ende des Vorjahres die realen Einzelhandelsumsätze verbessert hatten, gaben sie im Januar und Februar wieder nach. Hinzu kommt nun aufgrund der höheren Energiepreise eine steigende Inflationsrate: Sie lag im März bei 2,7 Prozent. Das belastet die Kaufkraft und steht einer Belebung der Konsumnachfrage im Wege. Auch die Sparneigung ist aufgrund bestehender Unsicherheiten weiter hoch. So hat sich das Konsumklima der Verbraucher erneut deutlich eingetrübt.

Arbeitsmarkt

Die Wirtschaftsschwäche bleibt auch am Arbeitsmarkt sichtbar. Die Arbeitslosigkeit steigt im April deutlich – vor allem im konjunkturnäheren SGB-III-Bereich (Arbeitslosenversicherung). Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung sank im Februar saisonbereinigt weiter, wenn auch nicht mehr so kräftig wie im Vormonat. Die Erwerbstätigkeit nahm im März erneut ab. Der Bestand der gemeldeten offenen Stellen sank im April leicht. Auch die Zugänge zu offenen Stellen schwächten sich ab. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer blieb im April unverändert und damit knapp unter der neutralen Marke. Dabei hat sich die Arbeitslosigkeitskomponente leicht verbessert, die Beschäftigungskomponente dagegen verschlechtert. Auch in den nächsten Monaten ist nicht mit einer Trendwende am Arbeitsmarkt zu rechnen.

DOI: 10.48720/IAB.FOO.20260430.01

Gartner, Hermann; Weber, Enzo (2026): Einschätzung des IAB zur wirtschaftlichen Lage – April 2026, In: IAB-Forum 30. April 2026, https://iab-forum.de/einschaetzung-des-iab-zur-wirtschaftlichen-lage-april-2026/, Abrufdatum: 30. April 2026

 

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