Johanna Mauer hat gelernt, in der Sprache der Wissenschaft zu schreiben – und jetzt lernt sie, diese Sprache für andere zu übersetzen. Am IAB macht sie ein Volontariat im Geschäftsbereich „Medien und Kommunikation“.

Kurz nach neun Uhr, im dritten Stock des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Auf dem Bildschirm von Johanna Mauer ist eine Datei mit einem Text geöffnet, den sie nicht selbst geschrieben hat. Ein Wissenschaftler aus dem Haus hat ihn für das IAB-Forum eingereicht. Das Manuskript ist voller interessanter Befunde. Allerdings sprachlich schwer verdaulich.

Die Volontärin, die im Geschäftsbereich „Medien und Kommunikation“ seit einigen Monaten das Redaktionshandwerk erlernt, liest das Manuskript einmal komplett. Und schnauft erst mal durch. Dann beginnt sie, unter Anleitung eines Kollegen, den Text auseinanderzunehmen. Satz für Satz. „Nimm die Passivkonstruktionen raus und zerlege die Schachtelsätze“, erklärt er ihr. „Die Botschaft muss nach vorne, vom Nebensatz in den Hauptsatz.“ Das Ziel ist ein Text, der inhaltlich korrekt bleibt, sich aber deutlich leichter liest.

„Das ist schon paradox“, sagt Johanna Mauer und lacht. „Erst musste ich mir hart antrainieren, akademisch zu schreiben. Und jetzt trainiere ich mir das alles wieder ab.“

Sie redet schnell, unterstreicht ihre Worte gern mit Gesten. Als Volontärin lernt sie gerade, zwischen zwei Welten zu vermitteln: zwischen der Wissenschaft, die Daten auswertet und Erkenntnisse produziert, und einer Öffentlichkeit, die diese Erkenntnisse verstehen und umsetzen soll. Ein Übersetzungsauftrag, auf den sie sich, ohne es zu ahnen, seit vielen Jahren vorbereitet hat.

Fremdsprache Akademisch

Kürzlich räumte sie ihr E-Mail-Postfach auf, erzählt sie. Sie scrollte durch jahrealte Korrespondenz – und stieß auf eine Nachricht, die sie im ersten Semester an ihren Professor schickte. „Ich habe diese E-Mail gelesen und dachte mir: Auweia“, flachst sie. „Was ist das für ein Ton? Viel zu flapsig und unbeholfen.“

Es lag nicht daran, dass sie sich nicht ausdrücken konnte. Sie hatte nur noch nicht gelernt, wie man sich in universitären Zusammenhängen bewegt. „Ich kannte die Codes nicht“, nennt sie das. Sprache sei nämlich nicht nur bloße Verständigung, sondern vermittle auch soziale Zugehörigkeit.

Johanna Mauer ist die Erste in ihrer Familie, die Abitur gemacht hat. „Bei uns zuhause hatte niemand eine Vorstellung, wie ein Studium überhaupt abläuft“, erinnert sie sich. Es gab keine Erfahrungsberichte, keine Kontakte, kein Wissen darum, dass zu einem guten Lebenslauf auch Praktika oder Auslandssemester gehören. „Es stand nie zur Diskussion, dass ich über das Kindergeld hinaus finanzielle Unterstützung erhalte.“

Also arbeitete sie. Sechs Jahre schob sie Schichten als Pflegekraft im Erlanger Klinikum, brachte Bettpfannen, maß Blutdruck. Danach bediente sie in einer Buchhandlung in der Nürnberger Fußgängerzone jeden, der hereinkam: Touristen auf der Suche nach Postkarten, Stammkundinnen mit Beratungswünschen, Männer, die dringend noch ein Geschenk brauchten. Sie arbeitete auf dem Bau für einen Zimmermann und betreute Kinder auf Firmenveranstaltungen – auch der klassische Gastro-Job hat nicht gefehlt.

„Für mich gab es nie den Moment, an dem ich gesagt habe: Auf diesen einen Job habe ich Lust, der mir dann auch karrieretechnisch hilft. Ich musste immer in mehreren Jobs arbeiten, weil ich sonst keine Kohle hatte.“

Im Hörsaal fühlte sie sich deshalb oft wie ein Expat, sagt sie, mit anderen Haltungen als ihre Kommilitoninnen. Ressentiment schwingt allerdings keines mit, wenn sie davon erzählt. Das würde auch nicht zu ihr passen: Johanna Mauer lacht viel, gern auch über sich selbst. Und wenn ein Satz zu ernst zu werden droht, schiebt sie einen ironischen Nachsatz hinterher.

All diese Jobs haben ihr drei Dinge mitgegeben, die sich nicht kaufen lassen, konstatiert sie trocken: viel Disziplin, die Fähigkeit, mit jedem Menschenschlag umzugehen, und das Wissen, wie man sich in unterschiedlichen Umgebungen und Milieus verhält. Sogar innerhalb der Bürokratie einer Bundesbehörde.

Über Umwege zum Ziel

Nach dem Bachelor in Politikwissenschaft schrieb sich Johanna Mauer für einen Masterstudiengang ein, der sich kaum in einem Satz erklären lässt: „Ethik der Textkulturen“, eine Mischung aus Germanistik, Philosophie, Literatur- und Politikwissenschaft. Getrieben hat sie, was sie selbst „Verstehenswut“ nennt – die Lust, komplexe Theorien wie die von Hegel, Nietzsche oder Adorno zu knacken, soziale und politische Zusammenhänge freizulegen.

Wenn sie über ihre Zeit in den Seminaren redet, kommt sie ins Schwärmen: „Wenn man einen dieser Gedankengänge verstanden hat, kann man ihn wie eine Brille aufsetzen und einem stechen plötzlich überall interessante Strukturen ins Auge. Seit meiner Arbeit in der Bundesagentur für Arbeit muss ich zum Beispiel häufig an Luhmanns Systemtheorie denken.“ Sie lacht. „Das ergäbe einen interessanten Essay.“

Während ihrer Uni-Zeit engagierte sie sich in der Fachschaft, wurde Sprecherin des Studiengangs, organisierte Workshops für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Und begriff am Ende doch: Für sie selbst gab es in dieser Welt keine Zukunft. „Es gibt kaum Mittel für Promotionsstellen in den Geisteswissenschaften“, sagt sie. „Und ich konnte mir nicht leisten, noch länger von Jahr zu Jahr zu leben, ohne jede finanzielle Sicherheit.“ Ihre Erfahrung: Am Ende entscheidet oft die Herkunft, wer promoviert – und wer nicht.

Sie dachte über Alternativen nach. Ihr Partner ist Lehrer aus Überzeugung, wollte nie etwas anderes sein. „Im Gespräch mit ihm fiel mir auf, wie viel ich eigentlich wusste, und dass es reizvoll sein könnte, dieses Wissen an Jugendliche weiterzugeben“, erinnert sie sich. Kurz entschlossen hängte sie an ihren Masterabschluss das Staatsexamen für Deutsch und Sozialkunde an.

Das anschließende Lehrer*innen-Dasein war allerdings nicht das, was sie vollkommen glücklich machte. „Die Schule ist ein interessanter Ort“, findet sie. „Aber man ist ein*e Einzelkämpfer*in: Am Ende steht man allein vor der Klasse, sitzt allein vorm Schreibtisch, als Deutschlehrerin am Gymnasium vor irrsinnigen Korrekturstapeln.“ Ihr wurde klar, was sie eigentlich tun wollte: nicht das einsame Unterrichten, sondern das sprachliche Vermitteln von Inhalten, und zwar im Team.

Das IAB kannte sie bereits über ihr Studium. Sie bewarb sich auf die ausgeschriebene Volontariatsstelle. Und bekam sie.

Viele Bälle in der Luft

Das IAB ist ein Institut, dessen Forschungserkenntnisse ständig zitiert werden, in Talkshows, Zeitungsartikeln, politischen Debatten: Es geht um die Evaluation von Arbeitsmarktpolitik, um Qualifikationstrends, Migration, Digitalisierung – Themen, die die Lebenswirklichkeit von Millionen Beschäftigten berühren. Der Geschäftsbereich „Medien und Kommunikation“ macht diese Themen für Medien und Öffentlichkeit zugänglich.

Mauers zweijähriges Volontariat soll ihr das Handwerkszeug dazu vermitteln. Im Vertrag heißt ihre Tätigkeit nüchtern „Ausbildung zur Online-Redakteurin/PR-Journalistin“. Im Alltag bedeutet das für sie vor allem einen ständigen Wechsel: Zwei Tage die Woche sitzt Johanna Mauer in der Redaktion des IAB-Forums, drei weitere in der Internet-Redaktion. Ein Rhythmus, der sich durch weite Teile des Volontariats zieht.

Dazwischen: acht Wochen in der Pressestelle des IAB, Hospitanzen in den Medienabteilungen der Bundesagentur für Arbeit – und, sobald das zweite Jahr beginnt, immer mehr Social-Media-Kommunikation. Vierzig externe Fortbildungstage, zum Beispiel an der Akademie der Bayerischen Presse, ergänzen das interne Programm und erweitern ihr Rüstzeug.

Was sie lernt, reicht von klassischem journalistischem Handwerk – Interviews führen und Texte redigieren, Teaser formulieren, Website- und Suchmaschinenoptimierung – bis hin zu Themen, die zeigen, wie sehr sich der Beruf gerade wandelt: Datenstorys mit Künstlicher Intelligenz entwickeln, Videos für YouTube konzipieren, aber auch, souverän mit kritischen Kommentaren im Netz umzugehen.

„Man hat wirklich viele Bälle gleichzeitig in der Luft, weil man einerseits noch in der Ausbildung ist und andererseits schon richtig mit anpacken muss“, sagt Johanna Mauer. Was ihr dabei hilft: „Mit den Kolleg*innen läuft es sehr gut. Auch wenn alle viel zu tun haben, unterstützt man sich im Team, wo man kann.“ Und wenn sie mal eine Frage hat, schreibt sie keine lange E-Mail, sondern greift zum Telefon – oder schaut direkt bei den Kolleg*innen am Schreibtisch vorbei. Deshalb arbeitet sie lieber im Büro als im Homeoffice.

Rotstift war gestern: Vom Korrigieren zum Redigieren

Zurück zum Text des Wissenschaftlers. Auf Johanna Mauers Bildschirm zeigen sich jetzt die Spuren ihrer Arbeit: durchgestrichene Sätze, eingefügte Formulierungen in Rot, am rechten Rand ein paar Kommentare. Sie klickt sich durch den Änderungsmodus, markiert eine Passage über die Erwerbsbeteiligung Älterer am Arbeitsmarkt.

„Puh, die Stelle ist mühsam“, stöhnt sie. „Dabei dachte ich mir am Anfang: Redigatur, das wird easy, ich habe ja Deutsch unterrichtet.“ Sie lacht. „Dann habe ich mich neben meinen Kollegen hier gesetzt, gesehen, was er macht – und mir gedacht: Oh Gott, ich kann ja gar nichts.“

Im Deutschunterricht korrigieren die Lehrkräfte zwar hunderte Seiten pro Schuljahr, aber Korrigieren bleibt fast immer negativ. „Man streicht Fehler an, schreibt an den Rand: Sinn unklar, Ausdruck oder Basissatz fehlt“, erzählt sie. „Redigieren ist viel mehr: Es ist konstruktiv und bietet neue Formulierungen an, baut auch mal ganze Passagen um.“

Eine Erfahrung aus der Schule helfe ihr aber: Man begreife viele kommunikative Tücken, wenn man einmal vor einer Klasse mit Jugendlichen versucht hat, einen Begriff zu erklären – mit direktem Feedback, ob er verstanden wurde. Im Forschungsalltag könne man nämlich schnell vergessen, wie viel Vorwissen nötig ist, um all die Analysen zu verstehen. Die Fähigkeit zum Perspektivwechsel, der dafür nötig ist, zeichne für sie einen guten wissenschaftlichen Redakteur aus.

Im IAB ist ihr wichtigster Lehrer im Handwerk des Redigierens Martin Schludi, langjähriger Wissenschaftsredakteur des IAB-Forums – „ein harter Hund in der Textarbeit, bekannt im ganzen Haus, aber wertschätzend“. Als Johanna Mauer ihm den ersten eigenen Text schickt, einen Veranstaltungsbericht, überarbeitete er ihn so gründlich, dass sie ihn kaum wiedererkannte. Sie war begeistert.

„Da denke ich mir immer so: Krass, und am Ende steht auf dem veröffentlichten Artikel gar nicht sein Name mit drauf.“ Die Übersetzungsarbeit der Redakteur*innen bleibt in der Regel unsichtbar, meint sie. Und wird umso leichter unterschätzt, je müheloser das Ergebnis aussieht. „Ich finde, das Institut könnte das manchmal mehr wertschätzen“, ergänzt sie. „Wenn es heißt, dass sprachliche Qualitätssicherung nicht so entscheidend ist oder jeder seine Presseinfo einfach selber schreiben könnte, da stellen sich mir alle Haare auf.“ Der nächste Satz kommt mit einem Augenrollen: „Aber die KI macht ja eh bald alles.“

Dabei steht sie KI-Nutzung nicht ablehnend gegenüber, im Gegenteil. Sie findet es spannend, herauszufinden, was ihr Team mit der KI als Sparringpartner alles erreichen könnte. „Ob das, was die KI fabriziert hat, etwas taugt, können am Ende aber immer nur Menschen bewerten, die das Handwerk von der Pike auf gelernt haben.“

Köchin der Texte

Was eine Maschine allein ihrer Meinung nach nicht hinbekommt, beschreibt Johanna Mauer mit einem Bild aus der Küche: „Ich glaube, dass man in der Wissenschaftskommunikation so eine Art Köchin ist. Du hast unglaublich gute Zutaten, die hier pausenlos generiert werden im Haus.“ Das IAB liefert in ihrem Bild rote Beete. Frisch, hochwertig, direkt vom Feld. „Unsere Wissenschaftler sagen: Guckt, wir haben die beste rote Beete der Welt. Damit haben sie auch recht. Aber sie ist roh halt schwer verdaulich – kein Gemüse, das man jeden Tag isst.“

Den Konsumenten, der kein Wissenschaftler ist, interessiert außerdem weder, wie die rote Beete genau gezüchtet wurde, noch geht er selbst aufs Feld, um sie sich zu holen. Er will die rote Beete fertig zubereitet haben. Und manchmal muss man sie für ihn rösten, karamellisieren, mit anderen Zutaten würzen. Oder erkennen: Gerade sind Smoothies im Trend. „Also pürieren wir die rote Beete eben“, sagt Johanna Mauer und grinst. „Das schmeckt dann auch.“

Kochen ist für sie kein Herabwürdigen der Zutaten, im Gegenteil: Schlechtes Kochen ruiniert gute Zutaten, gutes Kochen macht sie erst schmackhaft. Sie versteht aber auch die Vorbehalte. Wissenschaft folgt einer anderen Logik als Journalismus. Forschungsbefunde sind nun mal komplex. Jede Vereinfachung kostet etwas – gerade bei der beliebten Aussage „kommt darauf an“, meint sie, an der Forschende besonders hängen.

Am stärksten spürbar wird das bei der Social-Media-Kommunikation, in die Johanna Mauer auch schon hineingeschnuppert hat. Die Kolleg*innen destillieren aus einer vielschichtigen Studie am Ende oft nur einen einzigen Sachverhalt, eine Kernbotschaft. Dabei will jeder Post vom IAB durchdacht sein, bevor er online geht: Bei manchen Themen muss sich das Team grundsätzlich auf Kritik einstellen, gerade was Geschlechter- oder Migrationsforschung angeht. Anrufe von „Wut-Bürgern“ aus der Bevölkerung gehören ebenso zum Alltag wie das ständige Community-Management.

Das Institut besitzt insgesamt, findet Johanna Mauer, eine Qualität, die sie zu schätzen gelernt hat: Dass es nicht jedem Trend hinterherläuft und nicht jeden neuen Kanal sofort bespielt, sondern sich eine gewisse Gelassenheit gegenüber der Medienlandschaft bewahrt.

Etwas anderes ist die behördliche Trägheit, an der sich ihre Abteilung regelmäßig reibt. Etwa, wenn die Idee eines neuen Medienformats an der Bürokratie hängenbleibt. Erst muss die Software beantragt und geprüft werden, mit der kritischen Rückfrage, wozu man sie überhaupt brauche. Dann reicht der Arbeitsspeicher für den Videoschnitt nicht, also muss ein besserer Rechner her – wieder mit Begründung, wieder mit Wartezeit. „Und dann wird man so zermalmt im Alltag und denkt sich: Ich habe ja eh voll viel zu tun. Warum gegen alle Widerstände noch etwas Neues auf die Beine stellen?“

Vor die Kamera zerren will Johanna Mauer sowieso niemanden. „Manche machen das gern, andere nicht, und das ist auch okay.“ Für alle, die zögern, hat das Team allerdings eine heimliche Spezialistin: Eine Kollegin bringt zurückhaltende Forschende so lange ins Erzählen, bis sie auftauen – bis am Ende sogar ein bisschen Albernheit möglich ist. „Man kitzelt es aus ihnen heraus“, sagt Johanna Mauer und schmunzelt. Auch das, findet sie, ist ein Handwerk. Denn was dabei entsteht, ist mehr als ein Video oder ein Post: Es ist eine Geschichte.

Fakten wollen erzählt werden

Es gibt eine Frage, die Johanna Mauer durch Studium und beide Berufe begleitet hat: Was bedeutet politische Neutralität? Als Sozialkundelehrerin hat sie darüber oft diskutiert, als angehende Kommunikatorin eines öffentlich finanzierten Forschungsinstituts stellt sich ihr die Frage erneut. Das IAB ist dem Gemeinwohl verpflichtet, keiner Partei, keinem Wirtschaftssystem, keiner Bundesregierung. Was bedeutet das für die Kommunikation seiner Ergebnisse?

„Politisch neutral heißt nicht, alle Meinungen gleich zu behandeln“, stellt sie klar. Grundrechte und das Sozialstaatsprinzip etwa seien keine verhandelbaren Positionen, sondern in der Verfassung verankert. Und ein Institut, dessen Erkenntnisse für alle zugänglich sein sollen, müsse diese auch einordnen helfen.

Das führt sie zu einem Gedanken, den sie im Gespräch mit Kolleginnen im Bereich immer wieder weiter entwickelt: Wissenschaftliche Ergebnisse brauchen eine eigene Erzählung – nicht als Vereinfachung, sondern als Schutz vor Instrumentalisierung. Wer nur eine Zahl notiert, umständlich abgesichert mit Einschränkungen und Relativierungen, lässt die Interpretation offen. Und was offen bleibt, übernehmen andere. „Ich glaube, dass Narrationen unglaublich mächtig sind. Wir Menschen sind erzählende Wesen.“

In der Medienlandschaft sieht man das ganz deutlich: Vor allem populistische Kräfte und Lobbygruppen machen sich das zu Eigen, verbreiten ihre Versionen etwa erzählend in Podcasts und neuen Videoformaten. Johanna Mauer findet, aus diesem Grund sollten gerade auch wissenschaftliche Institutionen, die sich dem Gemeinwohl verschrieben haben, mehr mit Erzählung arbeiten – natürlich immer auf einer empirisch belastbaren Basis.

„Es geht da nicht nur um Reichweite. In Teilen könnten wir damit das Risiko begrenzen, dass andere sich einfach unsere Zahlen rausklauben und sie in ihrem Sinne interpretieren.“ Auch den Beitrag für das IAB-Forum, der gerade auf ihrem Bildschirm geöffnet ist, soll am Ende niemand verdrehen können.

Es ist Mittagszeit. Johanna Mauer hat sich nochmal richtig reingekniet in den Text. Ihre Verstehenswut hat gekickt, wie sie sagt. So hat sie sich rasch noch etwas Wissen zu französischer Rentenpolitik angelesen, um die unterschiedlichen Zahlen zu verstehen. „Total interessant“, meint sie mit funkelnden Augen. Auch ihr Kollege ist zufrieden mit ihrem fertig redigierten Text. Der liest sich nun deutlich leichter als das Original, lobt er. Der Forscher, der den Text eingereicht hat, wird die Verbesserung hoffentlich ebenfalls anerkennen. Ob er merkt, wie viel Arbeit darin steckt?

Bild: IAB

DOI: 10.48720/IAB.FOO.20260824.01

 

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