Das deutsche Bruttoinlandsprodukt ging im zweiten Quartal 2025 preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,3 Prozent zurück, nachdem es zuvor noch zwei Quartale in Folge gewachsen war (Q1/2025: +0,3 %, Q4/2024: +0,2 %). Dieser erste Anlauf eines Aufschwungs scheint nun ins Stocken zu geraten. Das Geschäftsklima hat sich in Deutschland zwar nun schon mehrere Monate in Folge gebessert. Insgesamt ergeben die Indikatoren aber ein gemischtes Bild, denn die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe und insbesondere die Industrieproduktion waren zuletzt schwach. Am Arbeitsmarkt gibt es erste Anzeichen einer Stabilisierung, die Spuren der wirtschaftlichen Schwäche sind aber weiterhin sichtbar.

Außenwirtschaftliches Umfeld

Das weltwirtschaftliche Umfeld verzeichnet tendenziell solide Wachstumsraten, obgleich sich die Entwicklung einzelner Volkswirtschaften unterscheidet. So nahm das Wirtschaftswachstum der USA im zweiten Quartal mit +0,7 Prozent wieder Fahrt auf. Allerdings befinden sich die Konjunkturerwartungen im negativen Bereich und trüben sich aktuell erneut ein. In China wuchs das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal um 1,1 Prozent und die Indikatoren zur Einschätzung der Konjunkturaussichten stagnieren im August im leicht positiven Bereich. In der Eurozone ist die Wirtschaft im zweiten Quartal mit +0,1 Prozent schwächer gewachsen als noch im Vorquartal (+0,6 %). Hier verzeichnen die aktuellen Erwartungen für die nächsten Monate einen Dämpfer, verbleiben aber deutlich im positiven Bereich.

Außenhandel

Der deutsche Außenhandel war ausschlaggebend für den konjunkturellen Rückschlag im zweiten Quartal. Nachdem die Exporte im ersten Quartal 2025 preis-, saison- und kalenderbereinigt noch um 2,5 Prozent gestiegen waren, gingen sie im zweiten Quartal um 0,1 Prozent zurück. Diese Entwicklung dürfte auch vom Zollkonflikt mit den USA geprägt sein: Ein Teil der Exporte wurde angesichts drohender Zölle zunächst vorgezogen, fehlte dann aber entsprechend im zweiten Quartal. Die Importe dagegen legten in beiden Quartalen des ersten Halbjahres deutlich um jeweils 1,6 Prozent zu. Die Exporterwartungen im verarbeitenden Gewerbe haben sich im August wieder etwas eingetrübt. Die aktuelle Zolleinigung mit den USA bietet aber zumindest die Chance auf Planbarkeit für die Unternehmen und Verbraucher.

Investitionen

Die Investitionen waren im zweiten Quartal mit einem Anstieg um 0,9 Prozent eine Konjunkturstütze, nachdem sie im ersten Quartal noch um 1,7 Prozent gesunken waren. Der Anstieg lag an mehr Investitionen in sonstige Anlagen (+1,2 %) sowie an positiven Vorratsveränderungen (+0,5 %), wohingegen sowohl die Investitionen in Bauten (-2,1 %) als auch in Ausrüstungen (-1,9 %) deutlich sanken. Die Finanzierungsbedingungen haben sich aufgrund der Leitzinssenkungen wieder etwas verbessert. Dennoch befindet sich das Geschäftsklima im Bauhauptgewerbe immer noch im Minus. Die Auftragseingänge für Investitionsgüter haben im Juni einen Dämpfer erfahren, ihr Trend ist aktuell aber aufwärtsgerichtet. Die Produktion von Investitionsgütern dagegen liegt nach einem deutlichen Minus im Juni auf dem tiefsten Stand seit über drei Jahren. Das Geschäftsklima der Investitionsgüterhersteller ist nach wie vor schwach, verbesserte sich im August aber deutlich.

Konsum

Die Konsumausgaben legten im zweiten Quartal um 0,3 Prozent zu und haben die Konjunktur damit wie schon in den Vorquartalen gestützt. Einen großen Anteil daran hatten die Konsumausgaben des Staates, die um 0,8 Prozent zulegten. Der private Konsum dagegen stieg nur um 0,1 Prozent. Zwar sind die Realeinkommen gestiegen, sie liegen aber immer noch unter dem Vor-Corona-Niveau. Auch die Sparneigung bleibt hoch, so dass die Konsumnachfrage nur begrenzt profitiert. Dennoch stieg zuletzt der reale Umsatz im Einzelhandel und befindet sich mittlerweile auf dem höchsten Stand seit über drei Jahren. Der Konsumklimaindex hatte sich seit seinem Tief im Jahr 2022 langsam erholt, gibt aber aktuell wieder etwas nach.

Arbeitsmarkt

Am Arbeitsmarkt gab es eine lange Durststrecke; im August zeigen sich erste positivere Signale. Nach einer über dreijährigen Phase des Anstiegs sinkt die saisonbereinigte Arbeitslosigkeit im August zum ersten Mal wieder. Der Bestand gemeldeter offener Stellen sinkt nur noch leicht. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung verzeichnete im Juni zum ersten Mal seit circa einem Jahr wieder einen größeren Anstieg. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer steigt im August erneut und liegt mit einem Stand von 100,7 Punkten nun wieder knapp über der neutralen Marke von 100 Punkten.

 

DOI: 10.48720/IAB.FOO.20250829.01

Hutter, Christian; Weber, Enzo (2025): Einschätzung des IAB zur wirtschaftlichen Lage – August 2025, In: IAB-Forum 29. August 2025, https://iab-forum.de/einschaetzung-des-iab-zur-wirtschaftlichen-lage-august-2025/, Abrufdatum: 29. August 2025

 

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