23. März 2026 | Beruf, Berufswahl und berufliche Arbeitsmärkte
Zukunftsberufe? Bei der Berufswahl sind differenzierte Informationen wichtiger als starre Listen
Derzeit erleben wir sehr dynamische Transformationsprozesse. Zu den drei bekannten „D“-Herausforderungen – demografischer Wandel, Digitalisierung und Dekarbonisierung – kommen zwei weitere „Ds“ hinzu: Deglobalisierung infolge industriepolitischer Entscheidungen und Destabilisierung durch Krieg oder andere Krisen, die zum Beispiel durch Pandemien, Wasserknappheit oder Unwetter ausgelöst werden. Die Verunsicherung darüber, welche Berufe Zukunft haben, wird dadurch nicht kleiner – und die Entscheidung junger Menschen für den persönlichen Zukunftsberuf nicht einfacher.
Systemrelevante Berufe haben (immer) Zukunft
Festzuhalten ist zunächst, dass insbesondere Berufe, die zur Grundversorgung der Bevölkerung erforderlich sind oder deren Fehlen zu Gefährdungen der öffentlichen Sicherheit führen würde, also systemrelevante Berufe, auch in Zukunft gebraucht werden. Dazu gehören Berufe, die
- die Ernährung und Versorgung mit Lebensmitteln sicherstellen,
- die Versorgung mit Energie (Elektrizität, Gas, Kraftstoff, Fernwärme), mit (Trink-)Wasser und die Beseitigung von Abwasser gewährleisten,
- die technischen Voraussetzungen zur Übertragung und Verarbeitung von Informationen sicherstellen,
- die stationäre medizinische Versorgung, die Herstellung und Versorgung mit unmittelbar lebenserhaltenden Medizinprodukten und verschreibungspflichtigen Arzneimitteln sowie die Laboratoriumsdiagnostik garantieren,
- für die Bargeldversorgung, den konventionellen oder kartengestützten Zahlungsverkehr, die Verrechnung und die Abwicklung von Wertpapier- und Derivatgeschäften sowie Versicherungsdienstleistungen gebraucht werden,
- für den Transport von Personen und Gütern (Straße, Schiene, Wasser oder Luft) und die Anlagen zur Wettervorhersage, zur Gezeitenvorhersage, zur Wasserstandsmeldung oder zur Satellitennavigation zuständig sind,
- die öffentliche Sicherheit und Ordnung gewährleisten (wozu auch die Regierung, Verwaltung, Polizei, Feuerwehr, Justiz, Militär, Bestatter und Reinigung gehören).
Hoch automatisierbare Berufe können ebenfalls Zukunft haben
Angesichts der rasanten Geschwindigkeit, in der sich neue Technologien entwickeln, wird allerdings gemutmaßt, dass es selbst einige dieser systemrelevanten Berufe in Zukunft nicht mehr geben könnte: Auch sie könnten von Maschinen, (Ro-)Bots oder Künstlichen Intelligenzen übernommen werden.
Mithilfe des Konzepts der Substituierbarkeitspotenziale lassen sich die potenziellen Folgen der Digitalisierung für Berufe abschätzen (Näheres hierzu findet sich in der Studie von Katharina Grienberger und anderen aus dem Jahr 2024). Denn damit lassen sich für nahezu jeden Beruf in Deutschland Aussagen treffen, wie hoch der Anteil der Tätigkeiten ist, der von Computern und computergesteuerten Maschinen automatisch erledigt werden könnte.
Nur werden dabei eher Aussagen über die Gegenwart als über die Zukunft getroffen, wie Britta Matthes in einem aktuellen Beitrag zeigt. Zudem gibt es eine Reihe von Faktoren, die eine tatsächliche Automatisierung verhindern. Insbesondere wirtschaftliche, juristische und ethische Abwägungen haben Einfluss darauf, ob und wann automatisiert wird. Beispielsweise muss geklärt werden, wer Verantwortung trägt, wenn Fehler passieren oder Persönlichkeitsrechte verletzt werden.
Manchmal ist es weiterhin wichtig, dass nicht eine Maschine, sondern ein Mensch die Entscheidungen trifft. Und manchmal wird einem handwerklich hergestellten Produkt so große Wertschätzung entgegengebracht, dass selbst ein zu 100 Prozent automatisierbarer Beruf wie der des Bäckers und der Bäckerin nicht verschwindet.
Die wichtigste Erkenntnis unserer Forschung der letzten Jahre ist jedenfalls, dass fast alle derzeit existierenden Berufe Zukunft haben, weil sie sich verändern, weil ihre Tätigkeitsprofile an die neuen technologischen (und anderen) Gegebenheiten angepasst werden. So lag das Substituierbarkeitspotenzial im Beruf Steuerfachangestellte/-r vor gut zwei Jahren noch bei 100 Prozent. Durch Änderung der Ausbildungsordnung Ende 2023 haben sich die Anforderungen in diesem Beruf jedoch so verändert, dass er aktuell nur noch zu 50 Prozent automatisierbar ist.
Das Substituierbarkeitspotenzial ist also das höchstmögliche, aus aktueller technologischer Sicht ermittelte Ausmaß möglicher Automatisierung, das die tatsächliche Automatisierung immer überschätzt. Andererseits unterschätzt es gleichzeitig die zukünftigen Automatisierungspotenziale, denn die technologischen Entwicklungen gehen ja weiter.
Wer sagt, dass nicht bald androide Roboter verfügbar sind, die Aufgaben in der Altenpflege übernehmen? Derzeit ist das Substituierbarkeitspotenzial in diesen Berufen niedrig, aber sind sie deshalb wirklich für immer Zukunftsberufe? Schon heute gibt es Experimente mit solchen Technologien in Alten- und Pflegeheimen. Und angesichts des demografischen Wandels ist es unabdingbar, Technologien zu entwickeln, die die absehbaren Versorgungslücken in der Altenpflege schließen können.
Das ist nur ein Beispiel dafür, dass neue Technologien in der Entwicklung und Erprobung sind, die in absehbarer Zeit auch in solchen Berufen ihre Spuren hinterlassen können, die bislang nur wenig von Digitalisierung und anderen modernen Technologien betroffen waren.
Prognosen zeigen, wo es in Zukunft zu Fachkräfteengpässen kommen könnte
Um die Frage nach Zukunftsberufen zu beantworten, kann man auch Prognosen zu Rate ziehen. Hier wird unter Berücksichtigung verschiedener relativ stabiler Faktoren wie dem Erwerbspersonenpotenzial, der wirtschaftlichen Entwicklung oder der zu erwartenden Migration hochgerechnet, wie sich die Zahl der Erwerbspersonen auf die verschiedenen Berufe und Qualifikationsniveaus verteilt, wenn sich die Entwicklung wie bisher fortsetzen würde.
Dabei werden (möglichst realistische) Annahmen darüber getroffen, wie sich politische Maßnahmen – zum Beispiel das Infrastrukturpaket oder die zusätzlichen Verteidigungsausgaben – auf die Nachfrage nach bestimmten Berufen auswirken könnten. Diesen Ansatz haben Gerd Zika und andere in ihrem Fachkräftemonitoring für das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) 2025 verfolgt. Es geht also neben dem Wegfall auch um das Entstehen von neuen Arbeitsplätzen.
Im Auftrag des BMAS erstellt das IAB zusammen mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung und der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung im Rahmen des Projekts „Qualifikation und Beruf in der Zukunft“ (QuBe) jährlich eine Mittelfristprognose für das laufende Jahr und die kommenden vier Jahre.
Unter anderem werden dort auch sogenannte Fokusberufe mit Fachkräfteengpässen bestimmt. Dabei handelt es sich um Berufe, bei denen erwartet werden kann, dass sie in vier bis fünf Jahren im Fokus des Interesses stehen sollten, weil es in diesen Berufen zu wenig Arbeitskräfte geben wird und somit die Betriebe (auch) in vier bis fünf Jahren Schwierigkeiten bei der Besetzung von Stellen haben werden. Man kann also davon ausgehen, dass sich in diesen Berufen in der mittleren Frist gute Beschäftigungschancen ergeben werden.
In der QuBe-Mittelfristprognose für Deutschand bis zum Jahr 2029 wurden 41 der 140 Berufsgruppen als Fokusberufe mit Fachkräfteengpässen identifiziert. Dabei bestehen weiterhin anhaltende Fachkräfteengpässe bei den IT-Berufen und bei den Gesundheits- und Pflegeberufen. Zunehmende Engpässe sind in den technischen Produktionsberufen zu verzeichnen. Neu hinzugekommen sind Berufe im Baugewerbe und den primären Dienstleistungen (siehe Tabelle 1).

Unter den Fokusberufen mit Fachkräfteengpässen findet sich auch eine Reihe von technischen Produktionsberufen. Dies mag auf den ersten Blick verwundern, weil erwartet werden kann, dass im produzierenden Gewerbe weiterhin Arbeitsplätze abgebaut werden.
Allerdings entstehen durch das Infrastrukturpaket der Bundesregierung und die Rüstungsfinanzierung vor allem Aufträge für das produzierende Gewerbe, beispielsweise in der Produktion von Ausrüstungsgütern für die Bundeswehr oder im Ausbau und der Erneuerung der Infrastruktur. Insofern ist absehbar, dass der Anteil der (preisbereinigten) Produktion im produzierenden Gewerbe im Vergleich zu den anderen Branchen relativ stabil bleibt und der Abbau von Arbeitsplätzen dadurch etwas abgeschwächt wird (siehe Abbildung 1).

In einer ganzen Reihe von technischen Produktionsberufen sind Fachkräfteengpässe zu erwarten, insbesondere weil deutlich mehr Personen in den Ruhestand eintreten als neu in die Berufsgruppe einmünden. Dies wird im Folgenden am Beispiel der Berufsgruppe „Maschinenbau- und Betriebstechnik“ kurz erläutert (siehe Abbildung 2).

In der Berufsgruppe „Maschinenbau- und Betriebstechnik“ zeigen sich trotz eines erwarteten Abbaus von rund 36.000 Arbeitsplätzen mittelfristig Fachkräfteengpässe. Dies liegt daran, dass mit rund 188.000 Personen in den Jahren 2025 bis 2029 deutlich mehr Personen in den Ruhestand gehen werden als neu in die Berufsgruppe einmünden. Die dadurch voraussichtlich wieder zu besetzenden 152.000 Stellen könnten durch das Neuangebot aus dem Bildungssystem (inklusive Wanderungsgewinne aus dem Ausland) von rund 112.000 Personen nicht vollständig besetzt werden.
Zwar könnte die Berufsgruppe durch berufliche Mobilität aus anderen Berufsgruppen mit ähnlichen Qualifizierungen wie „Metallbau- und Schweißtechnik“, „Fahrzeug-, Luft-, Raumfahrt- und Schiffbautechnik“ oder „Energietechnik“ profitieren. Da in diesen Berufsgruppen jedoch ebenfalls Fachkräfte gesucht werden, ist hier im Saldo in den kommenden fünf Jahren lediglich ein Zugewinn von rund 13.000 Personen durch berufliche Mobilität zu erwarten. Somit ist es sehr wahrscheinlich, dass rund 27.000 freiwerdende Arbeitsplätze in der Berufsgruppe „Maschinenbau- und Betriebstechnik“ entweder mit bislang erwerbslosen Personen besetzt werden oder überhaupt nicht nachbesetzt werden können.
Differenzierte Informationen sind die beste Grundlage für die Berufswahl
Abhängig davon, wie die gesellschaftlichen Herausforderungen priorisiert und bewältigt werden, kann die Liste der Zukunftsberufe also sehr unterschiedlich aussehen. Die beste Grundlage für eine gute Entscheidung über den persönlichen Zukunftsberuf sind differenzierte Informationen über die Berufe.
Das war auch einer der Gründe, warum der IAB-Job-Futuromat ins Leben gerufen wurde: Wir schaffen damit Transparenz darüber, welche Tätigkeiten in einem Beruf aktuell ausgeübt werden, welche davon derzeit potenziell automatisierbar sind, und welche Technologien verfügbar sind, die diesen Beruf zukünftig verändern könnten. Zusammen mit verfügbaren Angaben zur erwarteten Entwicklung von Beschäftigung, Arbeitslosen-/Stellenrelation und Einkommen ergibt sich eine gute Grundlage, um sich Gedanken über die potenziellen Zukunftschancen in einem Beruf zu machen.
In aller Kürze
- Das IAB erstellt keine Listen von Zukunftsberufen, weil fast alle derzeit existierenden Berufe Zukunft haben.
- Systemrelevante Berufe bleiben auch künftig wichtig: Berufe der Grundversorgung (Ernährung, Energie, Gesundheit, Sicherheit, Bildung etc.) haben grundsätzlich Zukunft, da sie für das Funktionieren der Gesellschaft unverzichtbar sind.
- Ein hohes Automatisierungspotenzial bedeutet nicht automatisch, dass der Beruf keine Zukunft mehr hat. Oft verhindern wirtschaftliche, juristische oder ethische Faktoren eine Automatisierung. Zudem werden die Tätigkeitsprofile der Berufe häufig an die neuen Anforderungen angepasst.
- Die QuBe-Mittelfristprognose identifiziert 41 Fokusberufe mit Fachkräfteengpässen bis 2029. Dazu gehören IT-Berufe, Gesundheits- und Pflegeberufe, Technische Produktionsberufe (z. B. Maschinenbau und Elektrotechnik), Bauberufe, Primäre Dienstleistungen (z. B. Fahrzeugführung, Gartenbau und Speisenzubereitung).
- Im produzierenden Gewerbe ist absehbar, dass trotz Arbeitsplatzabbau Fachkräfteengpässe bestehen bleiben, weil in vielen der technischen Produktionsberufe mehr Menschen in Rente gehen als nachrücken werden.
- Die beste Grundlage für eine gute Entscheidung über den persönlichen Zukunftsberuf sind differenzierte Informationen über die Berufe, die der Öffentlichkeit unter anderem im BERUFENET, dem IAB-Job-Futuromat und in den IAB-Arbeitsmarktprojektionen zur Verfügung stehen.
Literatur
Bundesagentur für Arbeit (2025): Fachkräfteengpassanalyse.
Grienberger, Katharina; Matthes, Britta; Paulus, Wiebke (2024): Folgen des technologischen Wandels für den Arbeitsmarkt: Vor allem Hochqualifizierte bekommen die Digitalisierung verstärkt zu spüren. IAB-Kurzbericht Nr. 5.
Matthes, Britta (2025): KI und Beratung. In: Dvb-Forum, Jg. 64, H. 1.
Zika, Gerd; Kalinowski, Michael; Krinitz, Jonas; Maier, Tobias; Mönnig, Anke; Schneemann, Christian; Schur, Alexander; Wolter, Marc Ingo; Zenk, Johanna (2024): Fachkräftemonitoring für das BMAS – Mittelfristprognose bis 2028. Bundesministerium für Arbeit und Soziales.
Zika, Gerd; Kalinowski, Michael; Krinitz, Jonas; Maier, Tobias; Mönnig, Anke; Schneemann, Christian; Schroer, Jan-Philipp; Wolter, Marc Ingo; Zenk, Johanna (2025): Fachkräftemonitoring für das BMAS – Mittelfristprognose bis 2029. Forschungsbericht 670, Bundesministerium für Arbeit und Soziales.
Bild: goodluz/stock.adobe.com
DOI: 10.48720/IAB.FOO.20260323.01
Matthes, Britta ; Zika, Gerd (2026): Zukunftsberufe? Bei der Berufswahl sind differenzierte Informationen wichtiger als starre Listen, In: IAB-Forum 23. März 2026, https://iab-forum.de/zukunftsberufe-bei-der-berufswahl-sind-differenzierte-informationen-wichtiger-als-starre-listen/, Abrufdatum: 23. March 2026
Diese Publikation ist unter folgender Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht: Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0): https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de
Autoren:
- Britta Matthes
- Gerd Zika

Dr. Britta Matthes leitet die Forschungsgruppe „Berufe in der Transformation“ am IAB.
Dr. Gerd Zika ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsbereich „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“ am IAB.