Durch die erneuten Auseinandersetzungen im Nahen Osten sind die Energiepreise zeitweise wieder kräftig gestiegen. Dennoch hat sich die Verbesserung des Geschäftsklimas im Juli fortgesetzt. Es ist aber weiterhin schwächer als zu Jahresbeginn. Die Fiskalpolitik wirkt mit den Ausgaben für Infrastruktur und äußere Sicherheit zwar belebend, aber die Unsicherheiten bleiben groß. Am Arbeitsmarkt ist die schwache Konjunktur weiterhin sichtbar.

Außenwirtschaftliches Umfeld

Die Weltwirtschaft hat sich im ersten Quartal erholt. Die Auswirkungen des Iran-Kriegs waren im Gesamtquartal wenig sichtbar. So hat das Bruttoinlandsprodukt der USA zu Jahresbeginn an Dynamik gewonnen und ist im ersten Quartal um 0,5 Prozent gewachsen. In der Eurozone gab es ein Null-Wachstum. In China, für das bereits aktuellere Daten vorliegen, wuchs das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal um 0,9 Prozent, nach 1,3 Prozent im Vorquartal. Infolge des Iran-Kriegs dürfte die globale Konjunktur im zweiten Quartal an Schwung verloren haben. Die höheren Energiepreise und die allgemeine Unsicherheit sowie Störungen in den Lieferketten wirkten belastend. Risiken bleiben weiter bestehen. So hat das zeitweilige Wiederaufflammen der Auseinandersetzungen im Nahen Osten erneut zu Energiepreiserhöhungen geführt. Dennoch haben sich die konjunkturellen Erwartungen für die nächsten Monate im  Juli sowohl für China als auch für den Euroraum zum dritten Mal in Folge erholt und liegen nun im positiven Bereich. Für die USA haben sich die Aussichten wieder leicht eingetrübt und bleiben damit negativ.

Außenhandel

Die deutschen Importe sind im Mai um 2,5 Prozent zurückgegangen, die Exporte hingegen gestiegen. Der Anstieg aus dem ersten Quartal hat sich damit trotz der aktuellen Unsicherheiten fortgesetzt. Das spiegelt sich auch in der Industrieproduktion wider. Nachdem diese in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres gesunken war, hat sie sich im April und Mai wieder erhöht. Auch die Exporterwartungen haben sich im Juni aufgehellt, allerdings nur leicht. Sie liegen weiter deutlich unter dem Wert vom Jahresanfang.

Investitionen

Die Produktion von Investitionsgütern hat sich im Mai etwas erholt, nachdem sie im bisherigen Verlauf dieses Jahres abgenommen hatte. Auch die Auftragseingänge bei den Herstellern von Investitionsgütern haben sich im Mai wieder verbessert. Im Baugewerbe hat die Produktion im Mai wieder nachgegeben, nachdem sie in den beiden Vormonaten noch zugelegt hatte. Aber auch hier haben sich die Auftragseingänge erhöht. Die Zahl der Baugenehmigungen hat im Mai ebenfalls zugelegt und bewegt sich deutlich über dem Vorjahreswert. Im Bauhauptgewerbe haben sich die Erwartungen für die nächsten Monate im Juli wie in den beiden Vormonaten leicht verbessert.

Konsum

Der Konsum des Staates hat im ersten Quartal die Nachfrage belebt. Die private Konsumnachfrage blieb aber unverändert. Entsprechend schwach blieben in den ersten Monaten des Jahres auch die realen Einzelhandelsumsätze. Im Mai haben sie aber gegenüber dem Vormonat wieder angezogen. Auch die Umsätze im Gastgewerbe waren im Jahresverlauf rückläufig und haben im Mai weiter nachgegeben. Die Inflationsrate lag im Juni bei 2,3 Prozent und war damit wieder etwas geringer als in den drei Monaten zuvor. Nachdem der Konflikt im Nahen Osten wieder aufgeflammt war, sind die Energiepreise wieder angestiegen. Die Inflation belastet somit weiterhin die Kaufkraft und steht einer Belebung der Konsumnachfrage im Wege. Auch die Sparneigung ist aufgrund bestehender Unsicherheiten weiter hoch. Das Konsumklima verschlechterte sich zuletzt wieder etwas und bleibt auf einem schwachen Niveau.

Arbeitsmarkt

Am Arbeitsmarkt gibt es weiterhin wenige Änderungen. Die Arbeitslosigkeit steigt im Juli wieder etwas, wobei der Anstieg allein im konjunkturnäheren SGB-III-Bereich stattfindet, im SGB-II-Bereich bleibt die Arbeitslosigkeit unverändert. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung sank im Mai zum zweiten Mal in Folge. Auch die Erwerbstätigkeit insgesamt nahm im Juni erneut ab. Die Zugänge an gemeldeten offenen Stellen sanken im Juli leicht, der Bestand an offenen Stellen stieg hingegen leicht. Im IAB-Arbeitsmarktbarometer hat sich im Juli zwar die Arbeitslosigkeitskomponente etwas verbessert, aber die Beschäftigungskomponente ging zurück. Beide Komponenten liegen dabei weiter knapp unter der neutralen Marke. Damit ist auch für die nächsten Monate keine Belebung am Arbeitsmarkt zu erwarten.

DOI: 10.48720/IAB.FOO.20260731.01

Gartner, Hermann; Weber, Enzo (2026): Einschätzung des IAB zur wirtschaftlichen Lage – Juli 2026, In: IAB-Forum 31. Juli 2026, https://iab-forum.de/einschaetzung-des-iab-zur-wirtschaftlichen-lage-juli-2026/, Abrufdatum: 31. July 2026

 

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