10. August 2026 | Erwerbsbeteiligung, Armut und Sozialpolitik
Generation Z so häufig im Arbeitsmarkt wie junge Leute seit Jahrzehnten nicht
Von „mangelndem Engagement“ bis zu einer übermäßig ausgeprägten Präferenz für Work-Life-Balance und Viertagewoche: Über die Generation Z und deren mutmaßlich unzureichende Arbeitsmoral sind viele Klischees im Umlauf. Auf harten Zahlen basierende Analysen dazu sind bislang hingegen Mangelware, denn die Generation Z umfasst die Jahrgänge ab 1995. Aussagekräftige Analysen zu deren Arbeitsmarktverhalten sind daher erst ab Mitte der 2010er-Jahre möglich.
Bereits in einem 2025 erschienenen Beitrag im IAB-Forum hatten wir die Arbeitsmarktbeteiligung der 20- bis 24-Jährigen von 1995 bis 2023 ausgewertet. Demnach stieg deren Erwerbsquote seit 2015 – dem Jahr, in welchem die erste Kohorte der Generation Z in diese Altersgruppe vorrückte – stark an. Mittlerweile liegen nicht nur die korrigierten Ergebnisse des Mikrozensus im Nachgang zum Zensus 2022 vor, sondern auch die Endergebnisse des Mikrozensus 2024 sowie die Erstergebnisse des Mikrozensus 2025. Dies erlaubt eine aktuellere wie auch umfassendere Bestandsaufnahme der Arbeitsmarktbeteiligung der Generation Z.
Handelt es sich um eine Momentaufnahme oder um einen nachhaltigen Trend?
Wie Abbildung 1 zeigt, stieg die Erwerbsquote der 20- bis 24-Jährigen zwischen 2015 und 2025 um 7,1 Prozentpunkte auf nunmehr 76,8 Prozent. Seit 2023 hat die Quote um 0,9 Prozentpunkte zugelegt. Auch in der Vergleichsgruppe der 25- bis 64-Jährigen setzte die Erwerbsquote ihren jahrzehntelangen Aufwärtstrend bis zum aktuellen Rand fort – mit einem Anstieg um 3,1 Prozentpunkte zwischen 2015 und 2025 beziehungsweise um 0,4 Prozentpunkte zwischen 2023 und 2025. Diese langfristige Entwicklung ist vor allem auf eine wachsende Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren zurückzuführen.
Der Vergleich zwischen beiden Altersgruppen zeigt: Die Arbeitsmarktbeteiligung unter jungen Erwachsenen hat seit 2015 bemerkenswert deutlich zugenommen. Timon Hellwagner und andere haben zwar in einem ebenfalls 2025 im IAB-Forum erschienenen Beitrag festgestellt, dass der Anteil junger Erwerbspersonen ohne Ausbildung immer weiter zugenommen hat. Da eine Azubistelle aber ebenfalls als Erwerbsbeteiligung gilt, kann eine Verschiebung von Ausbildung zu Helferjobs nicht der Grund dafür sein, dass die Erwerbsbeteiligung junger Menschen so stark zugelegt hat.
Auch die jüngsten Zahlen widerlegen somit das gängige Klischee von der mangelnden Arbeitsbereitschaft der Generation Z. Die Ergebnisse des Mikrozensus zeigen vielmehr, dass die Erwerbsbeteiligung junger Menschen heute auf dem höchsten Niveau seit Jahrzehnten liegt.
In welchen Branchen arbeiten junge Menschen?
Wie die bisherigen Analysen gezeigt haben, stieg die Erwerbsbeteiligung unter Studierenden besonders deutlich. Dies hat Auswirkungen darauf, auf welche Branchen sich die Jobs der 20- bis 24-Jährigen im Vergleich zu den Älteren verteilen.
Insgesamt weist die Beschäftigtenstruktur beider Altersgruppen, bei der auch Minijobs berücksichtigt werden, viele Parallelen auf (siehe Abbildung 2). Die Jobs der 20- bis 24-Jährigen verteilen sich ähnlich wie bei den 25- bis 64-Jährigen auf viele Berufe. Allerdings arbeiten die Jüngeren deutlich häufiger als die Älteren in Handelsberufen und in Lebensmittel- und Gastgewerbeberufen (+3,4 bzw. +4,4 Prozentpunkte). Klar unterrepräsentiert sind sie hingegen in Berufen der Unternehmensführung und -organisation und in unternehmensbezogenen Dienstleistungsberufen (-3,8 bzw. – 3 Prozentpunkte).
Die in Abbildung 2 dargestellten Unterschiede dürften auch auf Studierende zurückzuführen sein. Diese üben oftmals einen Nebenjob in der Gastronomie oder im Einzelhandel aus. Darauf deutet beispielsweise auch die von Gökay Demir und anderen 2024 erschienene Analyse im IAB-Forum hin.
Die in der BA-Statistik erfassten Merkmale erlauben zwar keine exakte Abgrenzung der Studierenden. Deren Bedeutung für die Beschäftigtenstruktur der 20–bis 24-Jährigen lässt sich aber über verschiedene Hilfsmerkmale näherungsweise bestimmen. Ein Beispiel: Bei 20-bis 24-Jährigen mit Abitur, aber ohne Berufsabschluss, die in Teilzeit arbeiten, dürfte es sich überwiegend um Bachelor-Studierende mit Nebenjob handeln.
Der Anteil der in Handelsberufen und in Lebensmittel- und Gastgewerbeberufen Beschäftigten beläuft sich in dieser Gruppe auf jeweils über 17 Prozent. Er liegt damit weit über den entsprechenden Werten für Beschäftigte zwischen 25 und 64 Jahren. Diese Zahlen liegen zudem nahe an den von Gökay Demir und anderen präsentierten Ergebnissen. Rechnet man diese Teilgruppe heraus, so sinkt der Unterschied etwa in den Lebensmittel- und Gastgewerbeberufen von 4,4 auf 2,7 Prozentpunkte.
Fazit
Die Arbeitsmarktbeteiligung junger Menschen wuchs seit 2015 kräftig. Diese Beobachtung widerspricht gängigen Klischees über die Generation Z. Dabei spielt eine gestiegene Erwerbsbeteiligung von Studierenden eine wichtige Rolle. Deren Nebenjobs spiegeln sich auch in der Zusammensetzung nach Berufen wider: Unter Jüngeren sind die Anteile von Beschäftigten in typischen Nebenjobs von Studierenden deutlich höher. Dies betrifft insbesondere die Gastronomie und den Handel.
Insgesamt verteilt sich die Beschäftigung der Jüngeren ähnlich wie bei den Älteren auf viele Berufe. Die Beschäftigung von jungen Leuten und Studierenden geht also über typisches Jobben weit hinaus.
Daten und Methoden
In der Arbeitsmarktliteratur findet sich keine einheitliche Unterteilung einzelner Kohorten nach Generation. Dieser Beitrag orientiert sich an der Abgrenzung von Francis und Hoefel (2018), die die Generation Z als die Jahrgänge 1995 bis 2010 definieren.
Datengrundlage dieser Analyse sind einerseits Sonderauswertungen des Mikrozensus, die das Statistische Bundesamt auf Anfrage bereitstellt. Die dargestellten Quoten beziehen sich auf Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit. Weitere Informationen und Links zur Datengrundlage aus dem Mikrozensus sind im Beitrag von Timon Hellwagner und Enzo Weber im IAB-Forum aus dem Jahr 2025 zu finden.
Andererseits liegen dieser Analyse Daten der Statistik der Bundesagentur für Arbeit zugrunde (eigene Auswertung). Die dabei verwendete Zusammenfassung von Berufshauptgruppen in Berufssegmente wird im Methodenbericht der Statistik der Bundesagentur für Arbeit von Britta Matthes und anderen aus dem Jahr 2015 detailliert erörtert.
In aller Kürze
- Die Erwerbsbeteiligung der 20- bis 24-Jährigen ist zwischen 2015 und 2025 um 7,1 Prozentpunkte auf 76,8 Prozent gestiegen.
- Jüngere arbeiten im Vergleich zu den 25- bis 64-Jährigen häufiger im Gastgewerbe und in Handelsberufen.
- Insgesamt verteilt sich die Beschäftigung aber ähnlich wie bei den Älteren über viele Berufe.
- Die Beschäftigung von jungen Leuten und Studierenden geht über typisches Jobben weit hinaus. Die Ergebnisse widersprechen gängigen Klischees zum Arbeitsmarktverhalten der Generation Z.
Literatur
Francis, Tracy; Hoefel, Fernanda (2018): ‚True Gen‘: Generation Z and its implications for companies.
Demir, Gökay; Hertweck, Friederike; Sandner, Malte; Yükselen, Ipek (2024): Wer neben dem Studium mit den „richtigen“ Kollegen jobbt, kann die beruflichen Startchancen vielfach verbessern. In: IAB-Forum, 14.10.2024.
Hellwagner, Timon; Weber, Enzo (2025): Generation Z – noch ein Klischee weniger. In: IAB-Forum, 17.2.2025
Hellwagner, Timon; Söhnlein, Doris; Weber, Enzo; Yilmaz, Yasemin (2025): Obwohl Fachkräfte fehlen, haben immer mehr junge Menschen keine Ausbildung. In: IAB-Forum, 24.4.2025.
Bild: contrastwerkstatt/stock.adobe.com
DOI: 10.48720/IAB_FOO.20260810.01
Hellwagner, Timon; Weber, Enzo (2026): Generation Z so häufig im Arbeitsmarkt wie junge Leute seit Jahrzehnten nicht, In: IAB-Forum 10. August 2026, https://iab-forum.de/generation-z-so-haeufig-im-arbeitsmarkt-wie-junge-leute-seit-jahrzehnten-nicht/, Abrufdatum: 10. August 2026
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Autoren:
- Timon Hellwagner
- Enzo Weber