30. September 2026 | Gesamtwirtschaft
Einschätzung des IAB zur wirtschaftlichen Lage – September 2026
Außenwirtschaftliches Umfeld
Das weltwirtschaftliche Umfeld entwickelt sich trotz der erneut höheren Energiepreise und der anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten relativ robust. Das Wirtschaftswachstum der USA schwächte sich im zweiten Quartal mit 0,4 Prozent wieder etwas ab. Die US-Wirtschaft profitiert zwar vom IT-Boom, aber die hohen Energiepreise belasten. So haben sich die Konjunkturaussichten für die nächsten Monate zuletzt eingetrübt und sind leicht im negativen Bereich. In China schwächte sich das Wachstum auf 0,9 Prozent ab. Die Konjunkturerwartungen bleiben aber positiv. In der Eurozone ist die Wirtschaft im zweiten Quartal um 0,6 Prozent anders als noch im Vorquartal wieder gewachsen. Die Erwartungen haben nach einer mehrmonatigen Erholung zwar wieder etwas nachgegeben, bleiben aber deutlich positiv.
Außenhandel
Für Deutschland hat der Außenhandel wesentlich zur konjunkturellen Belebung im zweiten Quartal beigetragen. Insbesondere die Chemieindustrie und die Hersteller von IT-, elektrischen und optischen Erzeugnissen konnten mehr exportieren. Da der Import von Kunststoffen, Industriechemikalien und Düngemitteln aus den Golfstaaten und China in die EU deutlich zurückgegangen ist, konnten deutsche Exportfirmen hier einspringen. Im Juli gingen die Exporte aber wieder etwas zurück. Allerdings sanken die Importe noch stärker. Die Entwicklung der Exporte spiegelt sich auch in der Produktion wider. Diese hat im produzierenden Gewerbe im zweiten Quartal zugelegt, aber im Juli wieder nachgegeben. Hier dürften auch die niedrigen Pegelstände der Wasserstraßen eine Rolle gespielt haben. Die Auftragseingänge in der Industrie haben im Juli aber kräftig zugelegt. Die Exporterwartungen haben im September etwas nachgegeben, sind aber weiter deutlich besser als zu Jahresanfang.
Investitionen
Bei den Herstellern von Investitionsgütern sind die Umsätze im Juli nach Zuwächsen in den beiden Vormonaten wieder zurückgegangen. Die Auftragseingänge haben sich dort aber im Juli zum dritten Mal in Folge deutlich verbessert. Im Baugewerbe hat die Produktion im Juli erneut zugelegt und liegt auf einem Jahreshöchstwert. Hohe Finanzierungskosten belasten zwar die Bauaktivitäten, positiv wirken aber fiskalische Impulse. Die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe sind im Juli dennoch zurückgegangen. Die Anzahl der Baugenehmigungen hat im Juli zwar etwas nachgegeben, aber sie liegt weiter deutlich über dem Vorjahreswert. Zugleich bleiben die Erwartungen im Bauhauptgewerbe für die nächsten Monate im September gegenüber dem Vormonat unverändert.
Konsum
Die Konsumnachfrage hat sich im zweiten Quartal nur wenig belebt. Auch am aktuellen Rand ist die Entwicklung im Konsumbereich schwach. Die Einzelhandelsumsätze sind im Juli deutlich zurückgegangen. Die Umsätze im Gastgewerbe hingegen waren zwar im Jahresverlauf rückläufig, haben sich aber im Juli wieder verbessert. Die Inflationsrate ist im Jahresverlauf gestiegen und lag im August bei 2,9 Prozent. Das war insbesondere auf höhere Energiepreise zurückzuführen. Die Inflation belastet somit weiterhin die Kaufkraft und steht einer kräftigeren Belebung der Konsumnachfrage im Wege. Auch die Sparneigung ist aufgrund bestehender Unsicherheiten zuletzt weiter gestiegen. Das Konsumklima verschlechterte sich wieder.
Arbeitsmarkt
Am Arbeitsmarkt gibt es weiterhin wenig Änderungen. Die Arbeitslosigkeit steigt im September erneut – sowohl im konjunkturnäheren SGB-III-Bereich, als auch – etwas weniger stark – im SGB-II-Bereich. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung hat im Juli abgenommen, nach einem leichten Anstieg im Vormonat. Die Erwerbstätigkeit nahm im August erneut ab. Der Bestand an gemeldeten offenen Stellen ist im September leicht gestiegen. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer verbessert sich im September gegenüber dem Vormonat geringfügig und liegt weiter leicht unter der neutralen Marke. Dabei hat sich die Arbeitslosigkeitskomponente des Barometers verbessert und bewegt sich nur noch leicht im negativen Bereich. Die Beschäftigungskomponente ging zurück und zeigt eine weiter sinkende Beschäftigung an.
DOI: 10.48720/IAB.FOO.20260930.01
Gartner, Hermann; Weber, Enzo (2026): Einschätzung des IAB zur wirtschaftlichen Lage – September 2026, In: IAB-Forum 30. September 2026, https://iab-forum.de/einschaetzung-des-iab-zur-wirtschaftlichen-lage-september-2026/, Abrufdatum: 30. September 2026
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Autoren:
- Hermann Gartner
- Enzo Weber