30. Oktober 2026 | Gesamtwirtschaft
Einschätzung des IAB zur wirtschaftlichen Lage – Oktober 2026
Außenwirtschaftliches Umfeld
Die Weltwirtschaft entwickelt sich im Oktober stabil und tendenziell optimistisch, obwohl die anhaltenden Konflikte im Nahen Osten zu weiterhin hohen Energiepreisen führen und den Inflationsdruck erhöhen. Unsicherheiten resultieren auch aus den politischen Unruhen in Frankreich, das ohnehin durch hohe Staatsverschuldung gekennzeichnet ist. Die internationalen Finanzmärkte reagieren mit zunehmenden Risikoaufschlägen.
Außenhandel
Die Exporte der deutschen Wirtschaft haben sich im August gegenüber dem Vormonat leicht verringert, bei leichtem Anstieg der Importe. Der Vorjahresvergleich zeigt das Wachstum der Geschäfte mit dem Ausland deutlicher: Gegenüber August 2025 lagen die Exporte um 6,2 Prozent höher, die Importe stiegen um 5,5 Prozent. Vor allem der Ausbau von KI-Rechenzentren in Asien beschert deutschen Zulieferern eine hohe Nachfrage, beispielsweise bei Sensorik- und Kühlsystemen. Die meisten Importe nach Deutschland kommen aus China, kalender- und saisonbereinigt waren dies im August 11 Prozent mehr als noch im Juli. Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Importpreise um 8,3 Prozent und die Exportpreise um 4,7 Prozent erhöht.
Investitionen
Die Auftragseingänge bei Investitionsgütern sind im August nach zwei positiven Monaten wieder gesunken. Dagegen stieg der Produktionsindex des Produzierenden Gewerbes auf einen Jahreshöchstwert, vor allem wegen eines ungewöhnlich starken Anstiegs im Baugewerbe, der auch mit dem Abschluss eines größeren Energieinfrastrukturprojekts zusammenhängt. Im Maschinenbau gab es ebenfalls ein Plus in der Produktion, während die Automobilindustrie weiter Einbußen hinnehmen musste. Die Produktion im Baugewerbe war um 9,3 Prozent höher als im Vormonat, die Auftragseingänge lagen um 23,0 Prozent höher als im Juli. Im Baugewerbe zeigt sich aktuell die Belebung der deutschen Wirtschaft besonders, wobei Fachkräftemangel sowie steigende Bau- und Kreditkosten die Baunachfrage wieder stärker bremsen können.
Konsum
Die Inflationsrate lag im September bei 3,3 Prozent und erreichte damit einen neuen Jahreshöchststand. Die Belastungen für die Verbraucher steigen vor allem durch weitere Energiepreiserhöhungen. Gegenüber dem Vorjahr ist beispielsweise der Preis für leichtes Heizöl um 75 Prozent gestiegen, die Kraftstoffpreise haben sich um 37 Prozent erhöht. Bei Nahrungsmitteln blieb der Anstieg dagegen gering. Verbraucher und Wirtschaft müssen von einem weiter anhaltenden hohen Preisdruck ausgehen, das Konsumklima verschlechtert sich erneut. Im Gastgewerbe, insbesondere in der Gastronomie, und auch im Einzelhandel sind die Umsätze geringer als vor einem Jahr. Der private Konsum ist weiterhin keine Stütze der deutschen Binnenwirtschaft.
Arbeitsmarkt
Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung hat sich im August etwas erhöht. Die Arbeitslosigkeit stieg im Oktober leicht, wobei der Anstieg nur den SGB III-Bereich betrifft. Langzeitarbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung im engeren Sinne sind im Vergleich zu den Vormonaten jeweils gesunken. Die Zurückhaltung bei Neueinstellungen dauert an. Der BA-X, der Stellenindex der Bundesagentur für Arbeit, liegt leicht unter dem Vormonatswert und das IAB-Arbeitsmarktbarometer entwickelt sich verhalten in den leicht positiven Bereich.
DOI: 10.48720/IAB.FOO.20261030.01
Warning, Anja; Weber, Enzo (2026): Einschätzung des IAB zur wirtschaftlichen Lage – Oktober 2026, In: IAB-Forum 30. Oktober 2026, https://iab-forum.de/einschaetzung-des-iab-zur-wirtschaftlichen-lage-oktober-2026/, Abrufdatum: 30. October 2026
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Autoren:
- Anja Warning
- Enzo Weber