20. Oktober 2026 | Digitale und ökologische Transformation
Weshalb die meisten Betriebe Künstliche Intelligenz (noch) nicht nutzen
Künstliche Intelligenz (KI) wird in der deutschen Wirtschaft vermehrt verwendet. Wie Martin Friedrich und Christian Kagerl im IAB-Kurzbericht 08/2026 darlegen, nutzte bereits jeder vierte Betrieb im zweiten Halbjahr 2025 laut IAB-Betriebspanel generative KI – eine Verfünffachung gegenüber 2023. Dazu zählen insbesondere größere Betriebe und solche im wissensintensiven Dienstleistungssektor. Daneben gibt es noch einen geringen Anteil an Betrieben, die ausschließlich nicht generative KI einsetzen. Weitere 9 Prozent planten zum Befragungszeitpunkt den Einsatz von KI.
Trotz der raschen Verbreitung haben damit noch etwa zwei Drittel der Betriebe im zweiten Halbjahr 2025 keinerlei KI genutzt und diesbezüglich auch keine Planungen angestellt. Im Folgenden werden diese Betriebe genauer betrachtet. Abbildung 1 zeigt, welche Gründe für diese Betriebe gegen den Einsatz von KI sprechen.
Mit Abstand am häufigsten gaben die befragten Betriebe an, derzeit keine Anwendungsmöglichkeit für KI zu sehen (fast 90 Prozent der Nichtnutzer). Alle anderen abgefragten Hemmnisse werden jeweils nur von etwa einem Viertel bis gut einem Drittel der Betriebe genannt. Dazu zählen fehlendes Wissen (36 %), mangelnde Fachkräfte zur Implementierung (34 %), Inkompatibilität mit bestehender Hard- und Software (33 %), Datenschutz- und Sicherheitsbedenken (32 %), rechtliche Unsicherheiten (32 %) sowie die Einschätzung, dass KI derzeit noch zu teuer ist (30 %).
Dagegen spielt eine grundsätzliche Enttäuschung über die Technologie nur eine geringe Rolle: Lediglich 7 Prozent berichten, KI ausprobiert zu haben, ohne dass die Erwartungen erfüllt wurden. Nur in der Informations- und Kommunikationsbranche, in der KI bereits besonders weit verbreitet ist, liegt dieser Anteil bei knapp einem Viertel.
Im Schnitt stuften die Betriebe rund drei der abgefragten Gründe als zutreffend ein. Ein Drittel bejahte sogar fünf oder mehr Gründe gegen den Einsatz von KI. Demgegenüber stehen 37 Prozent, die nur einen Grund nannten. In fast allen Fällen ist dieser Grund die Ansicht, dass es zum Zeitpunkt der Befragung noch keine Anwendungsfälle gab.
Kleinere Betriebe sehen häufiger keine Anwendungsfälle
In großen Betrieben ist das Fehlen von Anwendungsfällen deutlich seltener ein Grund gegen die Nutzung von KI als in kleinen (siehe Abbildung 2): So führten weniger als zwei Drittel der Betriebe ab 200 Beschäftigten diesen Grund an, aber fast 90 Prozent der Kleinstbetriebe. Größere Betriebe dürften einen breiteren Mix an Tätigkeiten und Berufen aufweisen und damit mehr potenzielle Ansatzpunkte für den Einsatz von KI besitzen als kleinere. Dementsprechend berichten Betriebe auch dann seltener von fehlenden Anwendungsmöglichkeiten, wenn sie Teil eines größeren Unternehmens mit mehreren Betrieben sind.
Deutlich überraschender ist demgegenüber folgender Befund: Der Anteil der Betriebe, die keine betrieblichen Anwendungsmöglichkeiten für KI sehen, hängt kaum davon ab, wie stark im Betrieb Berufe dominieren, deren Tätigkeitsinhalte durch Nutzung von KI-Sprachmodellen schneller erledigt werden könnten, ohne dass dadurch die Qualität der Arbeit leidet. So sehen zwar 91 Prozent der Betriebe mit der „geringsten beruflichen KI-Betroffenheit“ keine Anwendungsmöglichkeiten, aber auch 85 Prozent der Betriebe mit der „höchsten beruflichen KI-Betroffenheit“ (siehe Abbildung 3).
Diese Betroffenheit wurde auf Basis des Berufsmixes Mitte 2022 bestimmt, also vor der Veröffentlichung von ChatGPT, und basiert auf den Daten eines Papiers von Tyna Eloundou und anderen aus dem Jahr 2024. Die geringe Diskrepanz ist umso bemerkenswerter, als in der Gesamtheit der Betriebe durchaus ein starker Zusammenhang zwischen beruflicher Betroffenheit im Betrieb und der Nutzung von KI besteht: Die KI-Nutzungsquote unter den Betrieben mit der geringsten beruflichen KI-Betroffenheit beträgt 13 Prozent, in der Gruppe der höchsten beruflichen Betroffenheit sind es 41 Prozent.
Diese Befunde deuten auf ein weiterhin ungenutztes KI-Potenzial hin, da auch die anderen Gründe gegen KI keinen klaren Zusammenhang mit der KI-Betroffenheit aufweisen. Ein Teil des technischen Anwendungspotenzials wird von den Nichtnutzern bislang möglicherweise nicht erkannt oder noch nicht in konkrete betriebliche Anwendungsfälle übersetzt.
Dass sich solche Anwendungsfälle auch in zunächst wenig KI-nah erscheinenden Bereichen finden lassen, zeigt das Handwerk. So können KI-Anwendungen etwa im Gerüstbau zwar keine körperliche Arbeit übernehmen, wohl aber begleitende Prozesse wie die Erstellung von Angeboten und Abrechnungen oder die Koordination von Auf- und Abbauterminen unterstützen.
Das verdeutlicht, dass Potenziale für KI auch dort bestehen können, wo die Kerntätigkeit eines Betriebs selbst kaum von KI profitieren dürfte. Zu einer ähnlichen Schlussfolgerung hinsichtlich noch unausgeschöpfter Potenziale kommt ein aktuelles Papier von Kathryn Bonney und anderen auf Basis von amerikanischen Daten.
Junge Betriebe sehen weniger innerbetriebliche Hindernisse für den Einsatz von KI
Fehlendes Wissen, ein Mangel an Fachkräften für die Implementierung, technische Inkompatibilitäten und Schwierigkeiten mit den erforderlichen Daten werden jeweils von 27 bis 36 Prozent der Betriebe ohne KI-Einsatz als Nutzungshindernisse genannt.
Auffällig ist, dass solche technischen und organisationalen Hürden innerhalb des Betriebs im verarbeitenden Gewerbe um bis zu 15 Prozentpunkte häufiger genannt werden als im Dienstleistungssektor. Dort dürften sich KI-Anwendungen häufig schwieriger in bestehende Produktionsprozesse, Maschinen sowie IT- und Dateninfrastrukturen integrieren lassen als in Betrieben, die Dienstleistungen erbringen.
Jüngere Betriebe, so ein weiterer Befund, nennen solche innerbetrieblichen Hürden für die KI-Nutzung um fünf bis zehn Prozentpunkte seltener als ältere. Dies gilt auch dann, wenn man Faktoren wie Größe, Branche und Beschäftigungsstrukturen herausrechnet.
Jüngere Betriebe haben ihre Dateninfrastrukturen sowie ihre Arbeits- und Produktionsprozesse erst vor vergleichsweise kurzer Zeit aufgebaut. Im Gegensatz zu älteren Betrieben müssen sie daher vermutlich seltener mit gewachsenen und potenziell starren Strukturen und Abläufen umgehen. Außerdem könnten jüngere Unternehmen auch ein im Schnitt jüngeres und damit KI-affineres Management haben.
Rechtliche Unsicherheiten können die KI-Nutzung bremsen
Rechtliche Unsicherheiten und Datenschutzbedenken werden häufig gemeinsam als Hindernisse für die KI-Nutzung genannt. Das knappe Drittel der Nichtnutzer, welches diesen Gründen zustimmt, verweist damit darauf, dass auch die institutionellen Rahmenbedingungen für den Einsatz von KI stimmen müssen. Dahinter können neben den neuen Vorgaben des EU AI Act, also dem EU-Gesetz zur Künstlichen Intelligenz, etwa Fragen des Datenschutzes oder der Haftung stehen.
Betriebe aus Branchen, in denen rechtliche Vorgaben und Datenschutz eine wichtigere Rolle spielen, beispielsweise im Finanz- und Gesundheitswesen, führen daher auch überproportional häufig rechtliche Unsicherheiten als Grund gegen die Nutzung von KI ins Feld.
Alle im Beitrag beschriebenen Zusammenhänge bleiben auch in multivariaten Regressionen bestehen, in denen für weitere Charakteristika der Betriebe (unter anderem Alter, Branche, Existenz eines Betriebsrats, Beschäftigungsstruktur) kontrolliert wird.
Fazit
Unter den hier betrachteten Betrieben, die im zweiten Halbjahr 2025 noch keine KI genutzt und dies auch nicht geplant hatten, sah die große Mehrheit zum Befragungszeitpunkt (noch) keine passenden Anwendungsmöglichkeiten. Allerdings deutet die teils durchaus hohe berufliche KI-Betroffenheit darauf hin, dass hier ungenutztes Potenzial besteht.
Die unter Effizienzgesichtspunkten vielversprechendsten Anwendungsfälle von KI dürften häufig betriebsspezifischer Natur sein und lassen sich nicht von außen vorgeben. Daher empfiehlt es sich für die Betriebe, KI zumindest experimentell zu erproben und so deren betriebswirtschaftliches Potenzial auszuloten.
Neben fehlenden Anwendungsgebieten werden einzelne innerbetriebliche Hindernisse wie fehlendes Wissen oder technische Inkompatibilitäten von jeweils rund einem Drittel der Betriebe genannt.
Gleichzeitig ist festzuhalten: Die Technologie verändert sich weiter rasant und die Fähigkeiten der KI-Modelle verbessern sich ständig. Seitdem die Befragung stattfand, haben neue Anwendungen, etwa agentische KI-Systeme, das Spektrum möglicher Einsatzfelder erweitert. Folglich können sich die Gründe gegen den Einsatz von KI im Zeitverlauf ändern und Betriebe ihre Einschätzungen womöglich revidieren.
Die betriebliche Nutzung von KI und deren Auswirkungen auf die Arbeitswelt bleiben daher auch in den nächsten Jahren ein wichtiges Untersuchungsfeld für die empirische Arbeitsmarktforschung.
In aller Kürze:
- Fast 90 Prozent der Betriebe, die keine KI nutzen, sehen dafür (noch) keine adäquaten Anwendungsmöglichkeiten.
- Unabhängig davon, wie stark die Beschäftigten eines Betriebs in ihren Tätigkeitsinhalten von KI betroffen sind, werden fehlende Anwendungsmöglichkeiten als Hindernis ähnlich häufig genannt. Ein Teil des technologischen KI-Potenzials scheint somit bislang noch ungenutzt.
- Fehlendes Wissen, fehlende Fachkräfte, inkompatible IT-Systeme und nicht verfügbare oder unzureichende Daten erschweren in einigen Betrieben die Einführung von KI, insbesondere in älteren Betrieben sowie im verarbeitenden Gewerbe.
- Rechtliche Unsicherheiten und Datenschutzbedenken nehmen jeweils rund ein Drittel der Betriebe, die KI nicht nutzen, als Hindernis wahr.
Literatur
Bonney, Kathryn; Breaux, Cory; Dinlersoz, Emin; Foster, Lucia; Haltiwanger, John; Pande, Aditya (2026): The Microstructure of AI Diffusion: Evidence from Firms, Business Functions, and Worker Tasks. NBER Working Paper No. 35141. https://doi.org/10.3386/w35141
Eloundou, Tyna; Manning, Sam; Mishkin, Pamela; Rock, Daniel (2024): GPTs are GPTs: Labor Market Impact Potential of LLMs. Science, 384(6702), pp. 1306–1308. https://doi.org/10.1126/science.adj0998
Friedrich, Martin; Kagerl, Christian (2026): Künstliche Intelligenz in deutschen Betrieben: Jeder vierte Betrieb nutzt mittlerweile generative KI. IAB-Kurzbericht Nr. 08/2026. https://doi.org/10.48720/IAB.KB.2608
Bild: HudHudPro/stock.adobe.com
DOI: 10.48720.IAB.FOO.20261020.01
Kagerl, Christian (2026): Weshalb die meisten Betriebe Künstliche Intelligenz (noch) nicht nutzen, In: IAB-Forum 20. Oktober 2026, https://iab-forum.de/weshalb-die-meisten-betriebe-kuenstliche-intelligenz-noch-nicht-nutzen/, Abrufdatum: 20. October 2026
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Autoren:
- Christian Kagerl