3. September 2026 | Gesamtwirtschaft
IAB-Stellenerhebung 2/2026: Fast drei von vier Bewerbungen sind aus betrieblicher Sicht ungeeignet
In Westdeutschland waren im zweiten Quartal 2026 820.400 offene Stellen zu besetzen, in Ostdeutschland 203.000. Insgesamt waren rund 81 Prozent der Stellen sofort zu besetzen. Das heißt, sie waren zu diesem Zeitpunkt bereits unbesetzt.
Bundesweit kamen auf 100 von den Betrieben ausgeschriebene offene Stellen durchschnittlich 291 arbeitslos gemeldete Personen. Das sind 14 Arbeitslose mehr als noch im Vorjahresquartal sowie 27 mehr als im Vorquartal. Der Anstieg der Arbeitslosen-Stellen-Relation gegenüber dem Vorjahresquartal ist sowohl Folge des Rückgangs der offenen Stellen als auch einer gestiegenen Zahl von Arbeitslosen.
Die Arbeitslosen-Stellen-Relation lag damit im zweiten Quartal 2026 in Ostdeutschland bei durchschnittlich 339, in Westdeutschland bei 279 arbeitslos gemeldeten Personen pro 100 offene Stellen. Je höher diese Relation, desto leichter ist es für Arbeitgeber, offene Stellen zu besetzen und desto schwieriger für Arbeitsuchende, eine neue Stelle zu finden.
Internationale Konflikte, aber auch strukturelle Probleme im Inland haben die Personalnachfrage im ersten Halbjahr 2026 in Deutschland erneut deutlich gebremst. Die anhaltende Schwäche des Arbeitsmarktes spiegelt sich auch in einer gestiegenen Zahl an Bewerbungen wider. Die Zahl der Bewerbungen je sozialversicherungspflichtiger Neueinstellung (ausgenommen Ausbildungsverhältnisse) hat sich von 2022 bis 2025 von 9 auf durchschnittlich 16 erhöht. Davon waren aus betrieblicher Sicht im Schnitt nur rund 4 (28 %) prinzipiell für die ausgeschriebene Tätigkeit geeignet (siehe Abbildung).
Auch wenn diese Angabe nur die betriebliche Sichtweise wiedergibt, ist der geringe Anteil an geeigneten Bewerbungen möglicher Weise ein Indiz für eine vergleichsweise schlechte Passung von Arbeitskräfteangebot und betrieblicher Nachfrage.
Eine schlechte Passung ist unter anderem die Folge starker ökonomischer Transformationsprozesse. Einmal erworbenes Wissen veraltet in solchen Phasen besonders schnell. Die schlechte Passung könnte aber auch die Folge eines zunehmenden Konkurrenzdrucks um die zuletzt wieder geringere Zahl an freien Stellen sein, da Jobsuchende in diesem Fall stärker dazu tendieren dürften, sich auch auf weniger passende Stellen zu bewerben.
Je größer ein Betrieb ist, desto höher ist in der Regel die Zahl der Bewerbungen auf eine Stelle. Auch steigt die Zahl der Bewerbungen mit höherem beruflichen Anforderungsniveau. Mit den beiden Anforderungsniveaus „Spezialist“ und „Experte“ sind in der Regel die akademischen Abschlüsse sowie Meister und Techniker erfasst. Hier fällt der Anteil der aus betrieblicher Sicht geeigneten Bewerbungen mit durchschnittlich 23 Prozent niedriger aus als im Helferbereich oder im Fachkraftbereich (dort ist in der Regel ein beruflicher Abschluss zur Ausübung der ausgeschriebenen Tätigkeit erforderlich).
Die meisten Bewerbungen werden im Berufssektor „IT- und naturwissenschaftliche Dienstleistungsberufe“ berichtet, die wenigsten bei personenbezogenen Dienstleistungsberufen.
Literatur
Matthes, Britta; Meinken, Holger; Neuhauser, Petra (2015): Berufssektoren und Berufssegmente auf Grundlage der KldB 2010. Methodenbericht der Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Nürnberg.
In aller Kürze
- Im zweiten Quartal 2026 gab es bundesweit 1,02 Millionen offene Stellen. Gegenüber dem Vorquartal lag die Zahl der offenen Stellen um 129.800 oder rund 11 Prozent niedriger. Im Vergleich zum zweiten Quartal 2025 fiel der Rückgang mit 35.000 oder rund 3 Prozent geringer aus.
- Auf 100 von den Betrieben ausgeschriebene offene Stellen kommen rund 291 arbeitslos gemeldete Personen, rund 14 Arbeitslose mehr als im Vorjahresquartal.
- Bei sozialversicherungspflichtigen Neueinstellungen (ohne Auszubildende) stieg die Zahl der Bewerbungen von durchschnittlich 9 im Jahr 2022 auf 16 Bewerbungen im Jahr 2025.
- Von den 16 Bewerbungen im Jahr 2025 waren aus betrieblicher Sicht fast 12 für die ausgeschriebene Tätigkeit ungeeignet.
Die IAB-Stellenerhebung
Das IAB untersucht mit der IAB-Stellenerhebung viermal jährlich das gesamte Stellenangebot, also auch jene Stellen, die den Arbeitsagenturen nicht gemeldet werden. Im zweiten Quartal 2026 wurden Antworten von 8.529 Arbeitgebern aller Wirtschaftsbereiche ausgewertet. Aktuelle Zahlen zur (langfristigen) Entwicklung der offenen Stellen sowie weiterer Kenngrößen auf Basis der IAB-Stellenerhebung finden Sie auf der IAB-Website. Der IAB-Monitor Arbeitskräftebedarf erscheint vierteljährlich im IAB-Forum.
DOI: 10.48720.IAB.FOO.20260903.01
Kubis, Alexander (2026): IAB-Stellenerhebung 2/2026: Fast drei von vier Bewerbungen sind aus betrieblicher Sicht ungeeignet, In: IAB-Forum 3. September 2026, https://iab-forum.de/iab-stellenerhebung-2-2026-fast-drei-von-vier-bewerbungen-sind-aus-betrieblicher-sicht-ungeeignet/, Abrufdatum: 4. September 2026
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Autoren:
- Alexander Kubis