Ein zentraler Bestandteil der Beschäftigungsfähigkeit ist die Selbstwirksamkeit, also das Vertrauen, eigenständig Maßnahmen zu planen und umzusetzen, um festgelegte Ziele zu erreichen (Bandura, 1977). Sowohl die Beschäftigungsfähigkeit als auch die Selbstwirksamkeit werden maßgeblich durch soziale Unterstützung und positive Interaktionserfahrungen beeinflusst (Berntson, 2007).
In diesem Sinne sollte auch die im Jahr 2023 in Kraft getretene Bürgergeldreform durch eine Stärkung der Vertrauenskultur dazu beitragen, die Selbstwirksamkeitserwartung von Leistungsbeziehenden der Grundsicherung zu erhöhen und somit ihre Motivation, ihre Arbeitsmarktintegration und ihre langfristige Erwerbsstabilität positiv zu beeinflussen.
Auswertungen auf Basis des vom IAB durchgeführten Panels „Arbeitsmarkt und Soziale Sicherung“ (PASS) zeigen, dass die Selbstwirksamkeitserwartung bei Leistungsbeziehenden, die neu in die Grundsicherung kamen, zwischen 2017 und 2023 zurückging, während sie bei Personen ohne Leistungsbezug weitgehend stabil blieb.
Die bereits 2017 erkennbare Differenz zwischen beiden Gruppen hat sich bis 2020 deutlich vergrößert und sich im Zuge der Corona-Pandemie nochmals mehr als verdoppelt. Diese Tendenz steht im Einklang mit Befunden, denen zufolge Arbeitslosigkeit während der Corona-Pandemie für Leistungsbeziehende mit besonders starken psychischen Belastungen einherging (Bähr et al. 2020).
Nach 2023 setzte sich dieser negative Trend nicht mehr fort. Die Selbstwirksamkeit der Neuzugänge lag 2024 und 2025 mit einem Indexwert von rund 2,9 weiterhin unter dem Niveau der übrigen Bevölkerung (etwa 3,07). Der Wert und die Differenz blieben in diesen Jahren weitgehend konstant.
Der leichte Anstieg seit 2023 fällt zeitlich mit der Einführung des Bürgergeldes zusammen, lässt sich aber nicht zwingend kausal darauf zurückführen. Trotz rechnerischer Kontrollen lässt sich nicht völlig ausschließen, dass auch die im Zeitverlauf variierende Zusammensetzung der untersuchten Kohorten einen Einfluss auf die beobachtete Entwicklung hat.
Index zur Messung der Selbstwirksamkeitserwartung
Der Selbstwirksamkeitsindex basiert auf den folgenden fünf Fragen, die auf einer Skala von 1 („Trifft überhaupt nicht zu“) bis 4 („Trifft voll und ganz zu“) erhoben wurde:
- „Für jedes Problem habe ich eine Lösung.“
- „Auch bei überraschenden Ereignissen glaube ich, dass ich gut damit zurechtkomme.“
- „Es bereitet mir keine Schwierigkeiten, meine Ziele zu verwirklichen.“
- „In unerwarteten Situationen weiß ich immer, wie ich mich verhalten soll.“
- „Die Lösung schwieriger Probleme gelingt mir immer, wenn ich mich darum bemühe.“
Literatur
- Trappmann, Mark et al. (2025): Panel Arbeitsmarkt und soziale Sicherung (PASS). Forschungsdaten, Version 0624. Forschungsdatenzentrum der Bundesagentur für Arbeit (BA) im Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).
- Bähr, Sebastian; Frodermann, Corinna; Stegmaier, Jens; Teichler, Nils; Trappmann, Mark (2020): Knapper Wohnraum, weniger IT-Ausstattung, häufiger alleinstehend: Warum die Corona-Krise Menschen in der Grundsicherung hart trifft. IAB-Forum, 10. Juni 2020.
- Bandura, Albert (1977): Self-efficacy: Toward a Unifying Theory of Behavioral Change. Psychological Review, Version 84(2), S. 191–215.
- Berntson, Erik; Näswall, Katharina; Sverke, Magnus (2008): Investigating the relationship between employability and self-efficacy: A cross-lagged analysis. European Journal of Work and Organizational Psychology, Version 17(4), S. 413–425.
- Deutscher Bundestag (2022): Entwurf eines Zwölften Gesetzes zur Änderung des Zweiten Buches Sozialgesetzbuch und anderer Gesetze – Einführung eines Bürgergeldes (Bürgergeld-Gesetz). Bundestag-Drucksache 20/3873.