4. September 2026 | Löhne und Einkommen
Der IAB-Lohnmonitor liefert wichtige Basisfakten zur Verteilungsdebatte
Mit den Krisen der vergangenen Jahre und der steigenden Inflation, insbesondere durch die Energiepreisschocks, geriet die finanzielle Entlastung privater Haushalte immer stärker in den Fokus der politischen Debatte. Da zugleich die staatlichen Finanzspielräume enger werden, stellt sich die Frage der Finanzierbarkeit. Kleine Einkommen sollen entlastet werden, starke Schultern sollen mehr tragen, Leistung soll sich lohnen: Das sind typische Aussagen in der öffentlichen Diskussion, die teilweise auch in einem Spannungsverhältnis zueinander stehen.
Solchen Debatten liegen oft Vorstellungen über typische Lebens- und Arbeitsverhältnisse verschiedener Einkommensgruppen zugrunde. Diese benötigen einen Realitätsscheck: Kommen höhere monatliche Verdienste durch mehr Arbeitsstunden oder einen höheren Stundenlohn zustande? Wie hängt das mit der Ausbildung zusammen? Welche Rolle spielt es, ob auch Kinder im Haushalt zu versorgen sind? Wie groß sind die Unterschiede zwischen Männern und Frauen?
Der IAB-Lohnmonitor bringt Licht ins Dunkel. Er basiert auf der IAB-Online-Personenbefragung „Arbeiten und Leben in Deutschland“ (IAB-OPAL) des IAB und hat gegenüber anderen Datenquellen den Vorteil, dass auch Informationen zur Arbeitszeit und zu Löhnen oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze enthalten sind.
Um ein genaueres Bild davon zu bekommen, wer hohe und wer niedrige Lohneinkommen bezieht, wurden die Beschäftigten entlang ihrer monatlichen Bruttolöhne in Dezile, also in zehn gleich große Teile, eingeteilt. Die Beschäftigten, die im untersten Zehntel der Lohnverteilung liegen, bekamen im Jahr 2025 monatlich durchschnittlich 1.053 Euro. Die im obersten Zehntel bekamen im Durchschnitt 7.907 Euro (siehe Abbildung 1).
Abbildung 1 zeigt neben dem Monatslohn in den einzelnen Dezilen auch die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit: Der Verdienstanstieg vom ersten bis zum dritten Dezil geht mit stark zunehmenden Arbeitszeiten einher. Ab dem dritten Dezil flacht der Verlauf ab, die Arbeitszeit steigt aber weiterhin. Gerade bei Teilzeitbeschäftigten variiert das Monatseinkommen also vor allem mit der Arbeitszeit, weniger mit dem Stundenlohn.
Wie hoch der Lohn einer beschäftigten Person ist, hängt stark vom Bildungsabschluss ab. Das macht Abbildung 2 deutlich: Personen mit Hochschulabschluss stellen oberhalb des sechsten Dezils zunehmend größere Anteile. Der Anteil von Personen ohne Berufsabschluss nimmt dagegen über die Dezile ab. Damit zeigt sich ein Muster, das auch in der Fachkräftedebatte eine Rolle spielt: Ein fehlender Berufsabschluss geht deutlich häufiger mit niedrigeren Einkommen einher.
Auch die Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen sind in der Verteilung über die Dezile sichtbar. Abbildung 3 zeigt: Im untersten Dezil sind fast 80 Prozent der Personen Frauen, im obersten Dezil sind es zu über 80 Prozent Männer. Dazwischen sinkt der Frauenanteil von Dezil zu Dezil weitgehend linear.
Ergänzend lässt sich betrachten, ob Kinder im Haushalt leben. In den obersten drei Dezilen wächst der Anteil der Personen mit Kindern im Haushalt deutlich. Das liegt daran, dass mit steigendem Dezil der Anteil von Männern mit Kindern im Haushalt zunimmt, während in niedrigeren Dezilen eher Frauen mit Kindern vertreten sind. Ein Teil der Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen hängt offensichtlich mit der Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit zusammen.
Betrachtet man die Verdienstunterschiede nach Alter, zeigt sich dagegen eine relative Ausgeglichenheit. Dennoch sind in Abbildung 4 zwei Muster erkennbar: Erstens sinken die Anteile von unter 25-Jährigen in höheren Dezilen – wobei deren hoher Anteil im niedrigsten Dezil auf Studierende zurückzuführen ist. Zweitens sind Personen, die 40 Jahre und älter sind, im höchsten Dezil besonders stark vertreten: Höhere Verdienstpositionen setzen für gewöhnlich eine entsprechende Berufserfahrung voraus.
Fazit
Die Auswertungen liefern Anhaltspunkte für aktuelle politische Debatten– etwa, wer bei geplanten Steuerreformen entlastet und wer stärker belastet werden könnte. Die Zahlen zeigen: Im Bereich des Spitzensteuersatzes verdienen Beschäftigte pro Stunde weitaus mehr als auf mittlerem Einkommensniveau. Auf der anderen Seite sind die Arbeitszeiten bei den Spitzenverdienern aber auch etwas länger, die betreffenden Personen haben sehr viel häufiger in lange Bildungszeiten in Form eines Studiums investiert und sie haben häufiger Kinder im Haushalt zu versorgen.
In aller Kürze
- Der IAB-Lohnmonitor erlaubt die Analyse von Lohnunterschieden nach verschiedenen Personenmerkmalen.
- Lohnunterschiede zwischen den unteren Lohndezilen gehen stark mit Unterschieden bei der wöchentlichen Arbeitszeit einher.
- Personen mit Hochschulabschluss stellen ab dem sechsten Dezil deutlich zunehmende Anteile.
- Während im untersten Dezil fast 80 Prozent der Personen Frauen sind, sind es im obersten Dezil zu über 80 Prozent Männer.
- Unter 25-Jährige sind im untersten Dezil am stärksten, im obersten Dezil praktisch gar nicht vertreten.
Daten
Die Auswertungen beruhen auf Daten einer Kurzbefragung im Rahmen der IAB-Online-Personenbefragung „Arbeiten und Leben in Deutschland“ (IAB-OPAL) des IAB (Coban et al. 2024). Für die Auswertungen wurden die drei Wellen aus der IAB-OPAL-Befragung im Jahr 2025 zu einem Datensatz gepoolt. Angaben zur Definition und zur Berechnung der Löhne finden sich in Gartner/Resch/Weber (2025).
Da hier der Zusammenhang zwischen der Arbeitszeit und dem monatlichen Lohn interessiert, wurde für die wöchentliche Arbeitszeit die bezahlte Arbeitszeit berechnet, also die reguläre Arbeitszeit pro Woche plus die im entsprechenden Monat ausbezahlten wöchentlichen Überstunden.
Literatur
Coban, Mustafa; Baisch, Benjamin; Distler, Christine; Schwarz, Stefan; Trappmann, Mark; Weik, Jonas Aljoscha; Wenzig, Claudia; Wilden, Hanna; Zins, Stefan (2024): IAB-OPAL: Mit dem neuen Online-Panel schneller zu belastbaren Befunden kommen. In: IAB-Forum, 11.11.2024. DOI:10.48720/IAB.FOO.20241111.01
Gartner, Hermann: Resch, Bajai; Weber, Enzo (2025): Der neue IAB-Lohnmonitor beleuchtet die aktuelle Lohnentwicklung in Deutschland. IAB-Forschungsbericht Nr. 21. DOI:10.48720/IAB.FB.2521
Bild: Bird Photographer TH/stock.adobe.com
DOI: 10.48720/IAB.FOO.20260904.01
Gartner, Hermann; Weber, Enzo (2026): Der IAB-Lohnmonitor liefert wichtige Basisfakten zur Verteilungsdebatte, In: IAB-Forum 4. September 2026, https://iab-forum.de/der-iab-lohnmonitor-liefert-wichtige-basisfakten-zur-verteilungsdebatte/, Abrufdatum: 5. September 2026
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Autoren:
- Hermann Gartner
- Enzo Weber