Im ersten Quartal 2026 ist das deutsche Bruttoinlandsprodukt preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,3 Prozent gewachsen. Im zweiten Quartal dürften sich die Auswirkungen des Iran-Kriegs stärker bemerkbar machen. Das Geschäftsklima hat sich zwar im Juni wie schon im Vormonat etwas verbessert, bleibt aber schwächer als zu Jahresbeginn. Die Unsicherheit ist groß. Am Arbeitsmarkt gibt es kaum Änderungen.

Außenwirtschaftliches Umfeld

Die Weltwirtschaft hat sich im ersten Quartal erholt. Die Auswirkungen des Iran-Kriegs waren im Gesamtquartal wenig sichtbar. So hat das Bruttoinlandsprodukt der USA zu Jahresbeginn an Dynamik gewonnen und ist im ersten Quartal um 0,4 Prozent gewachsen. In China hat das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um 1,3 Prozent zugenommen, in der Eurozone ist es dagegen um 0,2 Prozent geschrumpft. Die höheren Energiepreise, die allgemeine Unsicherheit und Störungen in den Lieferketten in Folge des Iran-Kriegs haben die Entwicklung gebremst, so dass die globale Konjunktur im zweiten Quartal vermutlich an Schwung verliert. Die Unsicherheit dürfte trotz des Rahmenabkommens zwischen den Kriegsparteien noch hoch bleiben. Auch die Beeinträchtigungen von Lieferketten werden sich erst nach und nach lösen. Die konjunkturellen Erwartungen für die nächsten Monate haben sich im Juni für China und den Euroraum wie schon im Vormonat deutlich erholt. Sie liegen zwar weiterhin unter dem Wert zu Jahresbeginn, aber nun im positiven Bereich. Auch für die USA haben sich die Aussichten erholt, bleiben aber negativ.

Außenhandel

Die deutschen Exporte sind im April 2026 im Vergleich zum Vormonat kalender- und saisonbereinigt um 0,9 Prozent gestiegen und haben damit den Anstieg aus dem ersten Quartal fortgesetzt. Die Importe sind um 1,2 Prozent gewachsen. Trotz der aktuellen Unsicherheiten hat sich der Außenhandel also belebt. Nachdem die Industrieproduktion in den drei Vormonaten gesunken war, hat sie sich im April wieder erhöht, bleibt aber im längerfristigen Vergleich schwach. Auch die Exporterwartungen haben sich im Juni etwas aufgehellt, liegen aber weiterhin deutlich unter dem Wert zu Jahresanfang.

Investitionen

Die Produktion von Investitionsgütern hat im April weiter abgenommen, zum fünften Mal in Folge. Steigende Kosten für Kredite und eine höhere Unsicherheit dämpfen die Investitionsneigung. So haben sich bei den Herstellern von Investitionsgütern die Auftragseingänge im April verringert. Im Baugewerbe hat die Produktion dagegen zum dritten Mal in Folge zugelegt. Das Niveau der Auftragseingänge blieb konstant. Die Baugenehmigungen haben im April zwar gegenüber dem Vormonat leicht abgenommen, liegen aber weiterhin über dem Vorjahreswert. Die Erwartungen für die nächsten Monate im Bauhauptgewerbe haben sich im Juni wie im Vormonat leicht verbessert.

Konsum

Der Konsum des Staates hat im ersten Quartal die Nachfrage belebt. Die private Konsumnachfrage blieb aber unverändert. Der schwache private Verbrauch zeigte sich auch im April in den realen Einzelhandelsumsätzen: Sie blieben gegenüber dem Vormonat unverändert, nachdem sie zuvor drei Mal in Folge gesunken waren. Eine ähnliche Entwicklung gab es im Gastgewerbe. Die Energiepreise haben im Mai gegenüber dem Vormonat abgenommen, liegen aber weiterhin auf erhöhtem Niveau. Entsprechend lag die Inflationsrate im Mai bei 2,6 Prozent und war damit wieder etwas geringer als im Vormonat. Das belastet dennoch die Kaufkraft und steht einer Belebung der Konsumnachfrage im Wege. Auch die Sparneigung ist aufgrund bestehender Unsicherheiten weiterhin hoch. Das Konsumklima erholt sich kaum und verharrt auf einem schwachen Niveau.

Arbeitsmarkt

Am Arbeitsmarkt gibt es weiterhin wenig Änderungen. Die Arbeitslosigkeit sinkt zwar im Juni leicht – aber die Arbeitslosigkeit im konjunkturnäheren Rechtskreis des SGB III steigt weiter an, im Rechtskreis des SGB II geht sie dagegen zurück. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung sank im April wieder, nach einer Zunahme im Vormonat. Die Erwerbstätigkeit nahm im Mai erneut leicht ab. Die Zugänge an gemeldeten offenen Stellen sanken im Juni, der Bestand an offenen Stellen bleibt aber unverändert. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer bleibt im Juni unverändert und damit knapp unter der neutralen Marke. Auch in den nächsten Monaten ist nicht mit einer Trendwende am Arbeitsmarkt zu rechnen.

DOI: 10.48720/IAB.FOO.20260630.01

Gartner, Hermann; Weber, Enzo (2026): Einschätzung des IAB zur wirtschaftlichen Lage – Juni 2026, In: IAB-Forum 30. Juni 2026, https://iab-forum.de/einschaetzung-des-iab-zur-wirtschaftlichen-lage-juni-2026/, Abrufdatum: 30. June 2026

 

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