Kontakte zu Verwandten und Bekannten spielen bei der Jobsuche sowohl für Männer als auch für Frauen eine wichtige Rolle. Dies zeigt eine IAB-Befragung von Personen, die innerhalb von vier Wochen vor der Befragung eine neue Stelle gesucht hatten. Allerdings werden Frauen deutlich seltener als Männer einem Arbeitgeber vorgestellt oder empfohlen.

Die Geschlechterlohnlücke wird kleiner, sie ist aber immer noch beachtlich: Laut Statistischem Bundesamt verdienen Frauen in Deutschland im Schnitt noch immer 16 Prozent weniger pro Stunde als Männer. Die Ursachen sind vielfältig. Ein möglicher Grund ist die unterschiedliche Nutzung sozialer Kontakte, denn diese spielen auf dem Arbeitsmarkt eine wichtige Rolle. So zeigen Alexander Kubis und Martin Popp in einem 2024 im IAB-Forum publizierten Beitrag, dass persönliche Empfehlungen beispielsweise dazu beitragen, betriebliche Vorbehalte gegenüber Langzeitarbeitslosen abzubauen.

Neben der allgemeinen Rolle von sozialen Kontakten für den Arbeitsmarkt haben Matthias Collischon und Andreas Eberl in einer 2021 publizierten Studie auch die Rolle von sozialen Kontakten für die Geschlechterlohnlücke in Großbritannien untersucht. Demnach erklären Unterschiede in der Struktur persönlicher Netzwerke 15 Prozent der dortigen Geschlechterlohnlücke. Bislang existieren jedoch nur wenige Studien, die sich mit geschlechtsspezifischen Unterschieden bei der Nutzung persönlicher Kontakte für die Jobsuche befassen. Genaueren Aufschluss gibt eine 2026 veröffentlichte Studie von Florian Zimmermann und Matthias Collischon, deren Ergebnisse im Folgenden zusammengefasst werden.

Grundlage sind Daten aus dem Panel „Arbeitsmarkt und soziale Sicherung“ (PASS) des IAB, die zwischen 2015 und 2021 erhoben wurden (eine genauere Beschreibung bietet der FDZ-Datenreport 10/2022 von Marco Berg und anderen). Die Stichprobe ist auf Personen beschränkt, die innerhalb der letzten vier Wochen vor der Befragung nach einem Job gesucht hatten (11.170 Beobachtungen). Diese Personen wurden gefragt, inwiefern sie soziale Kontakte, also Beziehungen zu Verwandten, Freunden und Bekannten, für die Jobsuche genutzt haben.

Der Anteil von Frauen und Männer, die persönliche Kontakte zur Jobsuche nutzen, unterscheidet sich nicht signifikant

Die Mehrheit der Jobsuchenden nutzt persönliche Kontakte, um eine Stelle zu finden. So hatten sich allein in den letzten vier Wochen vor der Befragung 59 Prozent der befragten Frauen und 55 Prozent der befragten Männer in ihrem persönlichen Umfeld über mögliche Stellen informiert (siehe Abbildung 1). Dieser geringe prozentuale Unterschied zwischen den Geschlechtern ist jedoch statistisch nicht signifikant und sollte daher nicht überinterpretiert werden.

Zwei Kreisdiagramme zeigen, ob Jobsuchende in den letzten vier Wochen bei Bekannten oder Verwandten nach möglichen Stellen gefragt haben. Bei Männern antworteten 55 % mit „Ja" und 46 % mit „Nein". Bei Frauen antworteten 59 % mit „Ja" und 41 % mit „Nein". Frauen nutzten diesen sozialen Suchweg damit etwas häufiger als Männer.

Sehr wohl statistisch signifikant sind allerdings die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Häufigkeit, in der persönliche Kontakte innerhalb des betrachteten Vier-Wochen-Zeitraums für die Jobsuche genutzt wurden (Abbildung 2): So haben sich 23 Prozent der Männer in dieser Zeit mehrmals wöchentlich bei Verwandten und Bekannten über mögliche Stellen informiert, aber nur 15 Prozent der Frauen. Umgekehrt gaben 56 Prozent der Frauen an, sie hätten sich in diesen vier Wochen selten im persönlichen Umfeld über Stellen informiert, aber nur 47 Prozent der Männer.

Zwei Balkendiagramme zeigen die Häufigkeit, mit der Jobsuchende in den letzten vier Wochen bei Bekannten oder Verwandten nach möglichen Stellen gefragt haben. Bei Männern gaben 47 % an, selten nachgefragt zu haben, 30 % wöchentlich und 23 % mehrmals wöchentlich. Bei Frauen lagen die Anteile bei 56 % (selten), 29 % (wöchentlich) und 15 % (mehrmals wöchentlich).

Frauen wurden deutlich seltener als Männer einem Arbeitgeber vorgestellt oder empfohlen

Die Ergebnisse der Befragung geben außerdem Aufschluss über die Art und Weise der Unterstützung durch das persönliche Umfeld: Wurden die Jobsuchenden auf mögliche Arbeitgeber oder freie Stellen hingewiesen? Wurden sie einem Arbeitgeber vorgestellt oder empfohlen oder wurde versucht, dessen Entscheidung entsprechend zu beeinflussen?

Abbildung 3 zeigt, welche Form der Unterstützung die Befragten wie oft innerhalb der letzten vier Wochen erhielten. Beim reinen Informationsfluss, also Hinweisen auf Arbeitgeber oder freie Stellen durch soziale Kontakte, gibt es kaum Geschlechterunterschiede. Männer nutzen jedoch statistisch signifikant häufiger Netzwerke, um sich Arbeitgebern empfehlen oder vorstellen zu lassen, und um den Bewerbungsprozess zu beeinflussen. Insgesamt nutzen Männer soziale Kontakte zur Jobsuche also etwas häufiger und gezielter als Frauen.

Zwei gruppierte Balkendiagramme zeigen, wie Bekannte oder Verwandte Jobsuchende in den letzten vier Wochen bei der Stellensuche unterstützt haben. Unterschieden werden zwei Unterstützungsarten: Hinweise auf mögliche Arbeitgeber oder freie Stellen sowie Vorstellung, Empfehlung oder versuchte Einflussnahme auf Arbeitgeber. Bei Männern wurden im Durchschnitt 3,4 Hinweise auf Stellen, bei Frauen lagen die Werte bei 3,2. Bei der Vorstellung bei Arbeitgebern, Empfehlungen, oder versuchter Einflussnahme lag der Wert für Männer bei 1,4 und für Frauen bei 0,9.

Fazit

Anders als oft angenommen, ist der Anteil der Frauen, die persönliche Netzwerke für die Jobsuche nutzen, nicht geringer als der der Männer. Allerdings greifen Männer im Schnitt etwas häufiger darauf zurück. Sie nutzen soziale Kontakte insbesondere deutlich häufiger, um sich bei einem Arbeitgeber vorstellen oder empfehlen zu lassen. Dies könnte bestehende Geschlechterungleichheiten am Arbeitsmarkt tendenziell verschärfen.

Allerdings liefert die hier präsentierte Studie lediglich deskriptive Ergebnisse. Sie lässt keine Aussagen darüber zu, ob die Jobsuche über persönliche Netzwerke tatsächlich die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern erhöht. Die Daten geben außerdem keinen Aufschluss darüber, wie die Unterstützung über persönliche Kontakte konkret erfolgt, also etwa wie die Beeinflussung des Bewerbungsprozesses in der Praxis aussieht. Dies bleibt künftiger Forschung vorbehalten.

In aller Kürze

  • Der Anteil von Frauen und Männern, die soziale Kontakte für die Jobsuche nutzen, unterscheidet sich kaum.
  • Männer greifen allerdings häufiger als Frauen mehrmals pro Woche auf persönliche Kontakte zurück.
  • Frauen nutzen diese Netzwerke ähnlich oft wie Männer, um Informationen über Arbeitgeber oder freie Stellen zu erhalten.
  • Frauen werden aber deutlich seltener als Männer potenziellen Arbeitgebern vorgestellt oder empfohlen.

Literatur

Altschul, Sophie et al. (2022): Panel Arbeitsmarkt und soziale Sicherung (PASS) – Version 0621 v1. Forschungsdatenzentrum der Bundesagentur für Arbeit (BA) im Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Berg, Marco et al. (2022): Codebuch und Dokumentation des Panel „Arbeitsmarkt und soziale Sicherung“ (PASS) – Datenreport Welle 15. FDZ-Datenreport Nr. 10 (de).

Collischon, Matthias; Eberl, Andreas (2021): Social capital as a partial explanation for gender wage gaps. The British Journal of Sociology, 72(3), S. 757–773.

Kubis, Alexander; Popp, Martin (2024): Persönliche Empfehlungen tragen dazu bei, betriebliche Vorbehalte gegenüber Langzeitarbeitslosen abzubauen. In: IAB-Forum, 21.8.2024.

Zimmermann, Florian; Collischon, Matthias (2026): Women use Social Networks for Job Search more often than Men, but Men use them more intensely. Economics Letters, 259.

 

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DOI: 10.48720/IAB.FOO.20260518.01

 

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