Seit 2024 schrumpft die Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe Deutschlands deutlich. Dies liegt auch an stark gestiegenen Zinskosten. Besonders stark betroffen sind kapitalintensive Branchen mit hohem Verschuldungsgrad.

In den vergangenen Jahren ist die Gesamtbeschäftigung in Deutschland trotz schwachem Wirtschaftswachstum stabil geblieben. Im verarbeitenden Gewerbe ist sie hingegen seit 2022 kontinuierlich gesunken. Dieser Rückgang geht mit einer Reihe von globalen Entwicklungen einher, die in ihrer Gesamtheit die deutsche Industrie erheblich belasten.

Zu nennen sind hier die Energiekrise ab 2022, in jüngster Zeit nochmals verschärft durch den Irankrieg, der rapide technologische Wandel, befeuert beispielsweise durch den Bedeutungsverlust des Verbrennermotors, ein sich verschärfender weltweiter Wettbewerb, der sich etwa in rasant wachsenden Marktanteilen chinesischer Autohersteller zeigt, eine stark gestiegene Unsicherheit in den exportorientierten Branchen, nicht zuletzt durch die erratische US-Zollpolitik, und – wie im Folgenden gezeigt wird – höhere Kreditkosten in der Eurozone, verursacht durch eine deutliche Straffung der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

Die Zinsen sind zwischen 2022 und 2024 drastisch gestiegen

Im Frühjahr 2022 verschärfte die EZB ihren geldpolitischen Kurs drastisch, da der Krieg gegen die Ukraine zu einem massiven Inflationsschub, insbesondere bei den Energiepreisen, geführt hatte. In der Folge schossen die Zinsen auf Unternehmenskredite, die zuvor bei etwas über einem Prozent lagen, in die Höhe und erreichten Ende 2023 ein Niveau von über 5 Prozent (siehe Abbildung 1, linke Seite).

Die Abbildung besteht aus zwei Teilen und zeigt Entwicklungen im Zeitverlauf von 2016 bis 2025. Der linke Teil zeigt die Zinsen auf Unternehmenskredite in Prozent. Der rechte Teil zeigt die prozentuale Änderung der Beschäftigung gegenüber Januar 2020, und zwar für das verarbeitende Gewerbe insgesamt (dunkelblau), für die Branchen außerhalb des verarbeitenden Gewerbes insgesamt (orange) sowie für vier ausgewählte Teilbranchen des verarbeitenden Gewerbes, die als gestrichelte Linien dargestellt sind: Herstellung von Holzwaren, Herstellung von Metallerzeugnissen, Herstellung von Computern und Herstellung von elektrischen Ausrüstungen. Der linke Teil zeigt, dass die Zinsen auf Unternehmenskredite bis Anfang 2022 bei rund 1 Prozent lagen, dann steil auf etwa 5 Prozent bis Ende 2023 stiegen und bis 2025 wieder auf rund 3,5 Prozent zurückgingen. Der rechte Teil zeigt, dass die Beschäftigung außerhalb des verarbeitenden Gewerbes stetig zunahm, während die Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe nach 2022 zurückging – auf knapp 5 Prozent unter ihr Niveau von 2020. Innerhalb des verarbeitenden Gewerbes gingen die Herstellung von Holzwaren und von Metallerzeugnissen besonders stark zurück, während die Herstellung von Computern und von elektrischen Ausrüstungen moderater nachgab. Die Abbildung veranschaulicht, dass sich die Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe mit steigenden Finanzierungskosten von der übrigen Wirtschaft abkoppelte, mit erheblicher Heterogenität zwischen den Teilbranchen.

Bemerkenswerterweise ist die Beschäftigung außerhalb des verarbeitenden Gewerbes trotz dieses drastischen Zinsanstiegs nahezu stetig gewachsen (siehe Abbildung 2, rechte Seite, orange Linie). Nicht so im verarbeitenden Gewerbe: Nachdem sich die Beschäftigung dort mit dem Abflauen der Pandemie zunächst stabilisiert hatte, setzte ab 2024 – also in dem Jahr, in dem die Kreditkosten ihren Höhepunkt erreicht hatten, ein bis heute anhaltender Rückgang der Beschäftigtenzahlen ein (blaue Linie). So fiel die Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe im Jahr 2025 um nahezu 5 Prozent unter das Niveau von 2020.

Es gibt allerdings eine nicht zu vernachlässigende Heterogenität. Zum Beispiel ist die Beschäftigung bei den Herstellern von Holz-, Flecht-, Korb- und Korkwaren (ohne Möbel) sowie denen von Metallerzeugnissen nach 2022 deutlich gesunken, bei den Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen sowie von elektrischen Ausrüstungen hingegen nur schwächer oder temporär. Am stärksten klaffte die Beschäftigungsentwicklung zwischen diesen Branchen auseinander, als die Zinssätze nach oben schnellten. Dies wiederum wirft die Frage auf, welche branchenspezifischen Charakteristika den Einfluss steigender Kreditkosten verstärken.

Ein hoher Verschuldungsgrad beschränkt die finanziellen Spielräume in Zeiten stark steigender Zinsen zusätzlich

Wenn die Zinsen stark steigen, müssen Firmen mit höherer Verschuldung höhere Zinsausgaben tragen. Das schränkt sie bei weiteren Investitionen und Neueinstellungen ein. Dieser Effekt wird nachfolgend über den finanziellen Verschuldungsgrad eines Wirtschaftszweigs vor der Pandemie quantifiziert. Er beschreibt das Verhältnis von Gesamtverschuldung zu Gesamtvermögen.

Der Verschuldungsgrad bildet ab, wie sehr Firmen von externer Finanzierung abhängig sind. Diese Abhängigkeit ist im verarbeitenden Gewerbe besonders relevant, da die Produktion durch den Einsatz von Maschinen kapitalintensiv ist, die Nachfrage sensibel auf Zinsänderungen reagiert und Investitionen von externer Finanzierung abhängen. Dementsprechend wirkt der Verschuldungsgrad als Verstärkungsmechanismus, wie Bernhard Bernanke und andere in einer 1999 publizierten Studie argumentieren: Branchen mit einem höherem Verschuldungsgrad, so ihre These, bauen ihre Beschäftigung daher im Schnitt stärker ab, wenn die Kreditkosten steigen.

Empirisch bestätigt wurde dieser Zusammenhang in einem 2020 publizierten Arbeitspapier von Elena Durante und anderen. Demnach investieren Firmen und Branchen mit einem hohen Verschuldungsgrad, die stark von externer Finanzierung abhängig sind, nach einem Anziehen der Geldpolitik weniger und bauen ihre Beschäftigung stärker ab als solche mit geringerer Verschuldung.

Dieser Zusammenhang zeigt sich auch bei den jüngsten Beschäftigungsentwicklungen im verarbeitenden Gewerbe in Deutschland: Zwischen 2022 und 2023 hob die EZB den Leitzins von beinahe null auf vier Prozent an – ein Niveau, welches er seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr erreicht hatte. Dies schlug auf die Zinsen für Unternehmenskredite durch.

Die jüngste Beschäftigungsentwicklung im verarbeitenden Gewerbe variiert erheblich mit dem Verschuldungsgrad

Es zeigt sich, dass verarbeitende Branchen mit hohem Verschuldungsgrad, beispielsweise solche, die Holz-, Flecht-, Korb- und Korkwaren (ohne Möbel) oder Metallerzeugnisse herstellen, nach 2022 hohe Beschäftigungsrückgänge verzeichneten (siehe Tabelle 1). Andererseits folgt die Beschäftigungsentwicklung in Branchen mit niedrigem Verschuldungsgrad in demselben Zeitraum keinem klaren Muster. In manchen dieser Branchen ist die Beschäftigung nach 2022 sogar gestiegen.

Die Tabelle zeigt ausgewählte Branchen des verarbeitenden Gewerbes, aufgeteilt in Branchen mit niedrigem Verschuldungsgrad (Teil A) und mit hohem Verschuldungsgrad (Teil B), zusammen mit ihrem Verschuldungsgrad im Jahr 2019 und ihrem Beschäftigungswachstum in den Zeiträumen 2019–2022 und 2022–2025. Der Verschuldungsgrad wird als das Verhältnis von Gesamtverschuldung zu Gesamtvermögen im Jahr 2019 gemessen. Die Tabelle veranschaulicht, dass Branchen mit hohem Verschuldungsgrad – etwa die Holz- und Metallbranchen – nach 2022 starke Beschäftigungsrückgänge verzeichneten, während Branchen mit niedrigem Verschuldungsgrad kein klares Muster zeigen; einige verbuchten im selben Zeitraum sogar Beschäftigungszuwächse.

Bildet man nun innerhalb des verarbeitenden Gewerbes zwei Branchengruppen mit jeweils hohem und niedrigem Verschuldungsgrad, so wird die divergente Beschäftigungsentwicklung in jüngster Zeit besonders deutlich (siehe Abbildung 2): Während der Pandemie gab es in beiden Gruppen einen leichten Beschäftigungsrückgang. Nach 2022 gehen die Trends allerdings deutlich auseinander. In Branchen mit hohem Verschuldungsgrad sank die Beschäftigung bis 2025 stetig um insgesamt etwa 7 Prozent. In Branchen mit niedrigem Verschuldungsgrad hingegen begann der Rückgang der Beschäftigung erst im Jahr 2024. Im Juni 2025 erreichte der Abstand zwischen beiden Gruppen einen Wert von fast 5 Prozentpunkten.

Zugleich zeigt sich der Beschäftigungsrückgang in Branchen mit hohem Verschuldungsgrad praktisch in allen Beschäftigtengruppen: für Vollzeit- wie Teilzeitbeschäftigte, Produktions- wie Dienstleistungsberufe und für Geringqualifizierte ebenso wie für Hochqualifizierte. Höher verschuldete Branchen fahren außerdem ihre Investitionen stärker zurück.

Die Abbildung zeigt die kumulierte Veränderung der Beschäftigung im Zeitverlauf von 2020 bis 2025 gegenüber Januar 2020, getrennt für Branchen des verarbeitenden Gewerbes mit niedrigem Verschuldungsgrad (blau) und hohem Verschuldungsgrad (orange). Die Branchen wurden nach dem Median ihres Verschuldungsgrads vor der Pandemie unterteilt. Während der Pandemie ging die Beschäftigung in beiden Gruppen leicht zurück. Nach 2022 entwickelten sich beide auseinander: Die Beschäftigung in den hoch verschuldeten Branchen sank stetig auf einen kumulierten Rückgang von rund 7 Prozent, während die Branchen mit niedrigem Verschuldungsgrad erst nach 2024 zurückgingen. Die Abbildung veranschaulicht, dass der Abstand zwischen beiden Gruppen bis Juni 2025 etwa 5 Prozentpunkte erreichte.

Je höher die Kapitalintensität, desto stärker der jüngste Beschäftigungsrückgang

Die Produktion von Waren im verarbeitenden Gewerbe ist in aller Regel kapitalintensiv und hängt stark von Investitionen ab, die wiederum empfindlich auf steigende Zinssätze reagieren. Wenn die Kreditkosten steigen, haben Firmen mit höherem Verschuldungsgrad auch höhere Finanzierungskosten, was deren Investitionsmöglichkeiten einschränkt.

In Branchen, in denen die Produktion stärker vom Kapitaleinsatz abhängt, gehen steigende Zinsen eher mit Beschäftigungsrückgängen einher. Um diesen Mechanismus empirisch zu belegen, wird der Verschuldungsgrad nach Branchen im Folgenden mit einem Maß für die Kapitalintensität kombiniert.

Dabei zeigt sich: Während der Pandemie ist die Beschäftigung in kapitalintensiven Branchen stärker geschrumpft als in solchen mit niedriger Kapitalintensität (siehe Abbildung 3). In beiden Gruppen machte der Verschuldungsgrad bis Ende 2022 allerdings keinen Unterschied. Erst danach ging die Beschäftigung in Branchen mit hohem Verschuldungsgrad und hoher Kapitalintensität signifikant zurück – bis zum Jahr 2025 um insgesamt 10 Prozent. Zur gleichen Zeit blieb die Beschäftigung in Branchen mit niedrigem Verschuldungsgrad und niedriger Kapitalintensität unter dem Strich stabil. Im Juni 2025 betrug der Abstand zwischen beiden Gruppen mehr als 10 Prozentpunkte – und damit doppelt so viel wie der Unterschied zwischen Branchen mit hohem und niedrigem Verschuldungsgrad.

Das Zusammenspiel von hoher Verschuldung und hoher Kapitalintensität hat also im verarbeitenden Gewerbe einen starken negativen Beschäftigungseffekt, wenn sich die Refinanzierungsbedingungen deutlich verschlechtern. Denn die finanzielle Belastung eines Unternehmens durch steigende Kreditzinsen trifft die Unternehmen vor allem dann besonders deutlich, wenn diese stark kreditfinanziert sind, also nur begrenzt auf Eigenkapital zurückgreifen können. Die Kapitalintensität bildet ab, wie viel Kapital für die Produktion insgesamt benötigt wird. Dabei ist die absolute Belastung durch Zinskosten in kapitalintensiven Unternehmen in der Regel höher.

Die Abbildung zeigt die kumulierte Veränderung der Beschäftigung im Zeitverlauf von 2020 bis 2025 gegenüber Januar 2020, für Branchen des verarbeitenden Gewerbes, die zugleich nach Verschuldungsgrad und Kapitalintensität in vier Gruppen aufgeteilt sind: niedriger Verschuldungsgrad und niedrige Kapitalintensität (dunkelblau), niedriger Verschuldungsgrad und hohe Kapitalintensität (orange), hoher Verschuldungsgrad und niedrige Kapitalintensität (hellblau) sowie hoher Verschuldungsgrad und hohe Kapitalintensität (gelbgrün). Die Branchen wurden nach dem Median des Verschuldungsgrads und dem Median der Kapitalintensität vor der Pandemie unterteilt. Bis Ende 2022 machte der Verschuldungsgrad kaum einen Unterschied. Danach ging die Beschäftigung in den Branchen mit hohem Verschuldungsgrad und hoher Kapitalintensität am stärksten zurück und erreichte einen kumulierten Rückgang von mehr als 10 Prozent, während die Branchen mit niedrigem Verschuldungsgrad und niedriger Kapitalintensität keinen Rückgang verzeichneten. Die Abbildung veranschaulicht, dass der Abstand zwischen diesen beiden Gruppen bis Juni 2025 mehr als 10 Prozentpunkte betrug. Das ist im Schnitt etwa doppelt so groß wie der Abstand zwischen Branchen mit hohem und niedrigem Verschuldungsgrad.

Außerhalb des verarbeitenden Gewerbes sind die Beschäftigungseffekte des Verschuldungsgrades schwächer

Aufschlussreich ist auch der Vergleich zwischen Branchen mit hohem und niedrigem Verschuldungsgrad außerhalb des verarbeitenden Gewerbes. Außerhalb des verarbeitenden Gewerbes nämlich ist die Beschäftigung auch in den höher verschuldeten Branchen gestiegen. Zudem sind die Unterschiede zwischen Branchen mit hohem und niedrigem Verschuldungsgrad deutlich geringer als im verarbeitenden Gewerbe. Zwischen 2020 und 2025 stieg die Beschäftigung in Branchen mit hohem Verschuldungsgrad um etwa 4 Prozent, in Branchen mit niedrigem Verschuldungsgrad um etwa 6 Prozent (siehe Abbildung 4). Hinzu kommt: Ganz anders als im verarbeitenden Gewerbe hat sich der Unterschied seit 2022 kaum verändert.

Dieser Unterschied ist weder auf einen systematisch niedrigeren Verschuldungsgrad außerhalb des verarbeitenden Gewerbes zurückzuführen noch darauf, dass der Verschuldungsgrad zwischen den Branchen außerhalb des verarbeitenden Gewerbes weniger stark variieren würde als im verarbeitenden Gewerbe. Eine Firma aus dem verarbeitenden Gewerbe hat zwar im Durchschnitt höhere Schulden, allerdings auch eine höhere Vermögensbasis, um diese Schulden abzusichern. Dementsprechend ist der Median des finanziellen Verschuldungsgrades auf Branchenebene zwischen dem verarbeitenden Gewerbe (14,4 %) und allen restlichen Branchen (17,2 %) annähernd vergleichbar.

Allerdings reagiert die Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe deutlich sensibler auf sich verändernde finanzielle Spielräume. Dies ist in der Regel auf die höhere Kapitalintensität von verarbeitenden Betrieben und die stärkere Abhängigkeit von schuldenfinanzierten Investitionen zurückzuführen. Laut EZB nutzen 50 Prozent aller Firmen aus dem verarbeitenden Gewerbe Fremdkapital, um Anlageinvestitionen zu tätigen. Bei Firmen außerhalb des verarbeitenden Gewerbes beträgt dieser Anteil nur 37 Prozent.

Die Abbildung zeigt die kumulierte Veränderung der Beschäftigung im Zeitverlauf von 2020 bis 2025 gegenüber Januar 2020, für Branchen außerhalb des verarbeitenden Gewerbes mit niedrigem Verschuldungsgrad (blau) und hohem Verschuldungsgrad (orange). Die Branchen wurden nach dem Median ihres Verschuldungsgrads vor der Pandemie unterteilt. Die Beschäftigung stieg in beiden Gruppen insgesamt: Bis 2025 wuchs sie in den hoch verschuldeten Branchen außerhalb des verarbeitenden Gewerbes um rund 4 Prozent und in den Branchen mit niedrigem Verschuldungsgrad um rund 6 Prozent. Dieser Unterschied entstand bereits vor 2022 und blieb relativ stabil. Die Abbildung veranschaulicht, dass die Unterschiede nach Verschuldungsgrad außerhalb des verarbeitenden Gewerbes – anders als im verarbeitenden Gewerbe – gering sind und sich nach 2022 nicht ausweiteten.

70 Prozent der unterschiedlichen Beschäftigungsentwicklung im verarbeitenden Gewerbe lassen sich durch die Höhe der Verschuldung erklären

Auch wenn sich deskriptiv zeigt, dass höher verschuldete Branchen des verarbeitenden Gewerbes nach 2022 die Beschäftigung stärker reduziert haben, ist es denkbar, dass für diese Entwicklung (auch) andere, zeitgleich wirksame Faktoren ursächlich sind. Daher werden weitere potenzielle Erklärungsfaktoren wie zum Beispiel Energieintensität und branchenspezifische Beschäftigungstrends vor der Pandemie in die Analyse einbezogen. So waren energieintensive Branchen den jüngsten Energiepreisschocks in besonderem Maße ausgesetzt. Und in manchen Branchen sank die Beschäftigung schon vor 2019.

Auf deskriptiver Ebene zeigt sich zunächst, dass ein um 10 Prozentpunkte höherer Verschuldungsgrad mit einem zusätzlichen Beschäftigungsrückgang von etwa 2,6 Prozent im Jahr 2023, von 4,4 Prozent im Jahr 2024 und von 5,4 Prozent im Jahr 2025 einherging (siehe Tabelle 2). Das derzeitige Zinsniveau ist immer noch deutlich höher als vor 2022, obwohl sich der Trend steigender Kreditkosten seit 2024 wieder umgekehrt hat. Der jüngste Ölpreisschock erzeugte zudem einen neuen Aufwärtsdruck auf die Inflation und damit auf die Zinssätze.

Inwieweit erklären nun Unterschiede im Verschuldungsgrad tatsächlich diese in jüngster Zeit stark divergierenden Beschäftigungsmuster im verarbeitenden Gewerbe? Wie Abbildung 2 zeigt, fiel der Beschäftigungsrückgang zwischen Juni 2022 und Juni 2025 in den höher verschuldeten Branchen des verarbeitenden Gewerbes um 4,7 Prozentpunkte höher aus als in den Branchen mit geringem Verschuldungsgrad. Der durchschnittliche Unterschied im Verschuldungsgrad zwischen den beiden Gruppen betrug 6,2 Prozentpunkte.

Von diesen 4,7 Prozentpunkten lassen sich unseren Regressionsschätzungen zufolge 3,3 auf Unterschiede im Verschuldungsgrad zurückführen. Dies entspricht 107.000 Stellen. Dementsprechend erklären Unterschiede im Verschuldungsgrad etwa 70 Prozent der Divergenz in der Beschäftigungsentwicklung zwischen Branchen mit hohem und niedrigem Verschuldungsgrad.

Diese Ergebnisse bekräftigen die deskriptiven Belege. Der Unterschied in der Beschäftigung zwischen Branchen mit hohem und niedrigem Verschuldungsgrad kann nicht allein über steigende Energiekosten oder langfristige strukturelle Unterschiede erklärt werden. Vielmehr weist der stärkere Beschäftigungsrückgang in Branchen mit einem höheren Verschuldungsgrad darauf hin, dass engere finanzielle Spielräume einen erheblichen Teil der Beschäftigungsrückgänge im verarbeitenden Gewerbe erklären.

Die Tabelle zeigt den geschätzten Effekt eines um 10 Prozentpunkte höheren Verschuldungsgrads auf die Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe, nach Jahr. Die Schätzungen stammen aus einem Regressionsmodell, das zusätzliche Faktoren wie die Energieintensität und branchenspezifische Beschäftigungstrends vor der Pandemie berücksichtigt. Die geschätzte Beschäftigungsänderung beträgt −2,6 Prozent im Jahr 2023, −4,4 Prozent im Jahr 2024 und −5,4 Prozent im Jahr 2025. Die Tabelle veranschaulicht, dass Branchen des verarbeitenden Gewerbes mit höherem Verschuldungsgrad über diesen Zeitraum zunehmend weniger Arbeitskräfte beschäftigten; so beschäftigten Branchen mit einem um 10 Prozentpunkte höheren Verschuldungsgrad im Jahr 2025 etwa 5,4 Prozent weniger Arbeitskräfte.

Diese Befunde stützen die in einigen aktuellen Studien vertretene These, dass die derzeitige Schwäche des verarbeitenden Gewerbes in Deutschland auch das Ergebnis einer wesentlich restriktiveren Geldpolitik ist. Die meisten Studien hingegen verweisen eher auf die Rolle hoher Energiepreise, auf die globale Nachfrageschwäche in Verbindung mit der starken Exportorientierung Deutschlands sowie auf strukturelle Veränderungen (beispielhaft genannt sei hier eine 2024 erschienene Analyse von Marco Flaccador).

Unterschätzt wird dort oft die Bedeutung des finanziellen Verschuldungsgrades. Denn wie die hier präsentierten Analysen zeigen, verstärkt ein hoher Verschuldungsgrad die Einengung der finanziellen Handlungsspielräume im verarbeitenden Gewerbe, die sich infolge steigender Zinslasten ergibt, erheblich – mit negativen Folgen für die Beschäftigung.

Diese Interpretation deckt sich mit früheren Erkenntnissen, etwa von Lucca Dedola und Francesco Lippi in einer 2005 erschienenen Studie, wonach finanziell gefährdete und kapitalintensive Branchen stärker auf eine restriktive Geldpolitik reagieren. Lea Best und andere haben diesen Zusammenhang in einer 2025 publizierten Studie auch auf Firmenebene nachgewiesen. Demnach reagieren deutsche Firmen bei ihren Investitionsplänen hochsensibel auf steigende Zinsen. Das gilt insbesondere dann, wenn ihr finanzieller Handlungsspielraum ohnehin eingeschränkt ist.

Fazit

Die Beschäftigungsrückgänge im verarbeitenden Gewerbe sind in den finanziell gefährdeten Branchen am stärksten. Dieser Effekt zeigt sich über alle Qualifikationsebenen hinweg. Außerhalb des verarbeitenden Gewerbes ist der Effekt zwar ebenfalls sichtbar, aber deutlich schwächer.

Die jeweiligen finanziellen Rahmenbedingungen sind auch ein wichtiger Teil der Erklärung dafür, dass sich die Beschäftigungsentwicklung zwischen unterschiedlichen Branchen innerhalb des verarbeitenden Gewerbes sehr stark unterscheidet. Denn Branchen mit einem hohen Verschuldungsgrad tragen einen überproportional hohen Anteil am jüngsten Beschäftigungsrückgang.

Dieser kommt vor allem dadurch zustande, dass wenig investiert und in der Industrie – anders als in der Gesamtwirtschaft–  auch wenig gegründet wird, wie Enzo Weber in einem 2025 im Makronom erschienenen Beitrag zeigt. Gerade in der Transformation einer kapitalintensiven Branche sind deshalb wirtschaftspolitische Instrumente von Bedeutung, die den Aufbau eines neuen Kapitalstocks unterstützen. Dazu zählen beispielsweise Garantien, die das Risiko privater Investoren mindern, oder die öffentliche Kofinanzierung bei Erreichen vorab definierter Meilensteine, die wettbewerblich vergeben werden (eine ausführliche Diskussion entsprechender Maßnahmen findet sich in einem 2025 erschienenen Papier von Monika Schnitzer und Enzo Weber).

Eine antizipierbare wirtschaftspolitische Linie kann Unsicherheit und Finanzierungskosten senken. Auch eine weitere Vertiefung des EU-Kapitalmarkts kann dazu beitragen, indem sie den Zugang zu Eigenkapital verbreitert und die Abhängigkeit von Bankkrediten mindert.

In Kürze

  • Die Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe geht seit 2024 deutlich zurück, während sich die Beschäftigung in Deutschland insgesamt relativ stabil zeigt.
  • Die Beschäftigungsrückgänge lassen sich vor allem in denjenigen Branchen des verarbeitenden Gewerbes beobachten, die einen hohen Verschuldungsgrad haben und von Fremdfinanzierung abhängig sind.
  • Außerhalb des verarbeitenden Gewerbes unterscheidet sich die Beschäftigungsentwicklung zwischen Branchen mit hoher und geringer Verschuldung hingegen nur moderat. Die finanziellen Rahmenbedingungen haben demnach nur einen begrenzten Effekt auf die Beschäftigung außerhalb des verarbeitenden Gewerbes.
  • Der Effekt der finanziellen Rahmenbedingungen auf die Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe zeigt sich auch dann, wenn andere relevanter Faktoren wie Energieintensität und Beschäftigungstrends vor der Corona-Krise berücksichtigt werden.
  • Ein um 10 Prozentpunkte erhöhter Verschuldungsgrad geht mit einem Beschäftigungsrückgang um 5,4 Prozent einher. Zwischen 2022 and 2025 fiel der Beschäftigungsrückgang in den höher verschuldeten Branchen um 4,7 Prozentpunkte stärker aus als in den geringer verschuldeten. Davon lassen sich 3,3 Prozentpunkte oder 107.000 Stellen auf den Verschuldungsgrad selbst zurückführen.

Daten und Methoden

Beschäftigung: Die Beschäftigungszahlen stammen aus der Statistik der Bundesagentur für Arbeit und umfassen alle sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse. Wir betrachten die Beschäftigung monatlich auf der dreistelligen Ebene der Klassifikation der Wirtschaftszweige (WZ 2008).

Verschuldungsgrad: Die Bilanzinformationen entstammen der Datenbank Dafne des Bureau van Dijk, die die Jahresabschlüsse öffentlicher und privater deutscher Unternehmen zusammenführt. Den Verschuldungsgrad berechnen wir als Verhältnis der Gesamtverschuldung (kurz- und langfristige Verbindlichkeiten) zum Gesamtvermögen und aggregieren ihn auf die dreistellige Branchenebene. Ein Verschuldungsgrad von 20 Prozent bedeutet, dass die Gesamtverschuldung einer Branche einem Fünftel ihres Gesamtvermögens entspricht. Wir verwenden den Wert für das Jahr 2019, also vor der Covid-19-Pandemie und lange vor der geldpolitischen Straffung durch die EZB, damit die Kennzahl die strukturelle Abhängigkeit einer Branche von externer Finanzierung widerspiegelt und nicht ihre Reaktion auf die jüngsten Schocks.

Kapitalintensität: Die Kapitalintensität ist der Kapitalstock einer Branche im Verhältnis zur Bruttowertschöpfung im Jahr 2019. Die Daten zum Kapitalstock stammen von Janser, Lehmer und Zierahn-Weilage (2024), diejenigen zur Bruttowertschöpfung von Destatis. Die mediane Kapitalintensität im verarbeitenden Gewerbe liegt bei rund 55 Prozent und damit deutlich höher als außerhalb des verarbeitenden Gewerbes (rund 25 Prozent).

Wir stellen Beschäftigungsdaten für 82 Branchen des verarbeitenden Gewerbes auf der dreistelligen Ebene zusammen und unterteilen diese danach, ob ihr Verschuldungsgrad und ihre Kapitalintensität vor der Pandemie ober- oder unterhalb des Medians lagen. Alle Beschäftigungsentwicklungen werden als kumulierte prozentuale Veränderungen gegenüber dem Niveau von Januar 2020 dargestellt.

Literatur

Bernanke, Ben S.; Gertler, Mark; Gilchrist, Simon (1999): The financial accelerator in a quantitative business cycle framework. Handbook of macroeconomics 1 (1999), S. 1341-1393. DOI: doi.org/10.1016/S1574-0048(99)10034-X

Best, Lea; Born, Benjamin; Menkhoff, Manuel (2025): The Impact of Interest: Firms‘ Investment Sensitivity to Interest Rates. No. 12167. CESifo Working Paper.

Dedola, Luca; Lippi, Francesco (2005): The monetary transmission mechanism: evidence from the industries of five OECD countries. European Economic Review 49.6, S. 1543-1569.

Durante, Elena; Ferrando, Annalisa; Vermeulen, Philip (2022): Monetary policy, investment and firm heterogeneity. European Economic Review 148: 104251. DOI: doi.org/10.1016/j.euroecorev.2022.104251

Flaccadoro, Marco (2024): The recent weakness in the German manufacturing sector. Bank of Italy Occasional Paper 902.

Janser, Markus; Lehmer, Florian; Zierahn-Weilage, Ulrich (2024): Computing capital stocks in the German social security records and quantifying their role for wage inequality. CESifo Economic Studies 70.4, S. 370-393.

Schnitzer, Monika; Weber, Enzo Weber (2025): Pro-kompetitive Industriepolitik für eine erfolgreiche Transformation der Wirtschaft. In: Perspektiven der Wirtschaftspolitik, Jg. 26, H. 3, S. 255-271.

Weber, Enzo (2025): Arbeitsmarkt: Die Erneuerungskrise. In: Makronom, 6.10.2025.

 

Bild: patpitchaya/stock.adobe.com

DOI: 10.48720/IAB_FOO.20260817.01

Taskin, Ahmet Ali; Weber, Enzo (2026): Gestiegene Kreditkosten belasten die Beschäftigungsentwicklung in Teilen des verarbeitenden Gewerbes erheblich, In: IAB-Forum 17. August 2026, https://iab-forum.de/gestiegene-kreditkosten-belasten-die-beschaeftigungsentwicklung-in-teilen-des-verarbeitenden-gewerbes-erheblich/, Abrufdatum: 17. August 2026

 

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