Teilqualifizierungen sind modulare Weiterbildungen, die durch die Bundesagentur für Arbeit gefördert werden können, um die Arbeitsmarktchancen von Arbeitslosen und Beschäftigten zu verbessern. Wer mehrere Module im gleichen Berufsfeld belegt, kann hierdurch zudem einen anerkannten Berufsabschluss nachholen. Bisherige Analysen mit Prozessdaten zeigen jedoch, dass geförderte Teilnehmende häufig nur ein Modul belegen. Eine Online-Befragung liefert nun erste Erkenntnisse darüber, inwieweit Teilnehmende bereit wären, weitere Module zu belegen oder eine Umschulung zu machen.

Für Teilqualifizierungen werden die Inhalte einer Berufsausbildung in mehrere Module aufgeteilt, die einzeln absolviert werden können. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) fördert die Teilnahme unter bestimmten Bedingungen sowohl für Arbeitslose als auch für Beschäftigte. Details zur Ausgestaltung finden sich in einem Beitrag von Thomas Kruppe, Julia Lang und Christopher Osiander aus dem Jahr 2024 im IAB-Forum. Teilqualifizierungen sind derzeit nur für bestimmte Berufsfelder – wie Fahrzeugführung oder Logistik – verfügbar, bei denen sich die Ausbildungsinhalte gut in verschiedene Module aufteilen lassen. Auch der Abschluss einzelner Module kann (und soll) die Arbeitsmarktchancen geförderter Personen bereits erhöhen, wie Thomas Kruppe und Koautor*innen in einem Beitrag aus dem Jahr 2023 zeigen.

Durch die Kombination mehrerer Module und eine anschließende Abschlussprüfung durch die Industrie- und Handelskammern oder Handwerkskammern haben Geringqualifizierte die Möglichkeit, einen Berufsabschluss nachzuholen. Bei berufsanschlussfähigen Teilqualifizierungen der BA sind die Ausbildungsgänge in fünf bis acht Module von je zwei bis sechs Monaten Dauer aufgeteilt. Teilqualifizierungen sind dabei auch eine Alternative für Personen, für die eine mehrjährige Umschulungsmaßnahme nicht infrage kommt.

Die erwähnte Untersuchung von Thomas Kruppe und anderen zeigt allerdings anhand von Prozessdaten der BA, dass die überwiegende Mehrheit der arbeitslosen Teilnehmenden innerhalb von sechs Jahren nur ein Modul belegt hatten. Hierfür kommt eine Mehrzahl von Gründen infrage: Möglicherweise konnten Geförderte bereits mit dem Absolvieren eines Moduls eine Beschäftigung aufnehmen. Individuelle Rahmenbedingungen (zum Beispiel Betreuungspflichten oder mangelnde Motivation) können einer weiteren Teilnahme ebenfalls entgegenstehen. Womöglich wird auch kein passendes weiteres Modul in erreichbarer Nähe angeboten oder kommt nicht zustande.

In diesem Zusammenhang ergibt sich eine Reihe an Fragen: Erfolgt die Initiative zur Teilnahme an einer geförderten Teilqualifizierung durch die Geförderten selbst? Wären sie bereit, weitere Module zu belegen? Wären sie auch bereit, an längeren Umschulungen teilzunehmen, die zu einem Berufsabschluss führen? Antworten darauf geben die Ergebnisse einer Online-Befragung vom Sommer 2025 (siehe Infokasten „Daten“). Befragt wurden Personen, die zwischen Mai 2023 und Mai 2025 eine geförderte Teilqualifizierung begonnen haben. 46 Prozent der Befragten waren zum Zeitpunkt der Befragung noch in einem Kurs, 54 Prozent hatten den (letzten) Kurs bereits beendet.

Die Initiative für den Besuch eines Teilqualifizierungskurses geht oft von den Teilnehmenden selbst aus

Arbeitslose, so ein Ergebnis der Analysen, ergreifen nach eigenen Angaben deutlich häufiger selbst die Initiative für die Teilnahme an einer Teilqualifizierung als Beschäftigte (siehe Abbildung 1). So haben fast drei von vier geförderten Arbeitslosen sich ihren Angaben zufolge selbst im Jobcenter oder in der Arbeitsagentur nach diesem Angebot erkundigt. In dieser Gruppe fanden mit 56 Prozent mehr als die Hälfte der Förderungen im Bereich der Fahrzeugführung statt. Möglicherweise haben also relativ viele Personen nachgefragt, ob der Erwerb eines Führerscheins unterstützt werden könnte. Die Förderung über eine Teilqualifizierung ist dann möglich, wenn der Führerschein zum Berufsbild gehört und für einen Berufsabschluss erforderlich ist.

Etwas anders ist das Bild bei den Beschäftigten: Hier haben insgesamt nur 57 Prozent selbst die Initiative ergriffen, indem sie auf die Arbeitsagentur oder das Jobcenter (34 %) oder den Arbeitgeber (23 %) zugegangen sind. 31 Prozent wurden von ihrem Arbeitgeber angesprochen, weitere 11 Prozent von der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter. Bei den Beschäftigten findet die Förderung am häufigsten im Bereich „Erziehung, Soziales, Gesundheit und Pflege“ statt (36 %), gefolgt von der Fahrzeugführung (21 %).

Abbildung 1 zeigt in einem gruppierten Säulendiagramm getrennt für Arbeitslose und Beschäftigte, von wem die Teilnahme zur Teilnahme an einer Teilqualifizierung ausging. 73 Prozent der Arbeitslosen bzw. 34 Prozent der Beschäftigten sind auf die Arbeitsagentur oder das Jobcenter zugegangen. Weitere 31 Prozent der Beschäftigten wurden vom Arbeitgeber gefragt und 23 Prozent gingen auf den Arbeitgeber zu. 11 Prozent der Beschäftigten und 23 Prozent der Arbeitslosen wurden von der Arbeitsagentur oder dem Jobcenter auf eine Teilqualifizierung angesprochen.

Die Mehrheit der Teilnehmenden hat in den letzten zwei Jahren nur ein Modul abgeschlossen, kann sich aber die Teilnahme an einem weiteren Kurs vorstellen

Insgesamt zeigt sich, dass die Teilnahme an mehreren Modulen eher die Ausnahme darstellt. Grundsätzlich ist zu erwarten, dass frühere Teilnehmende bereits häufiger mindestens ein Modul abgeschlossen haben als aktuell Teilnehmende, die den ersten Kurs teils noch besuchen. Dies zeigen auch die Ergebnisse: 53 Prozent der Personen, die zum Befragungszeitpunkt an einer Teilqualifizierung teilnahmen, hatten in den letzten zwei Jahren noch kein Modul abgeschlossen (siehe Abbildung 2). 30 Prozent hatten bereits ein Modul abgeschlossen, 18 Prozent zwei Module oder mehr. Bei den ehemaligen Teilnehmenden haben bislang 75 Prozent nur ein Modul abgeschlossen. 7 Prozent hatten kein Modul abgeschlossen, also entweder den Kurs frühzeitig abgebrochen oder die Voraussetzungen für den Erhalt eines Zertifikats nicht erlangt. Der Anteil von Personen mit zwei und mehr Modulen unterscheidet sich zwischen den aktuell und früher Teilnehmenden hingegen nicht. Weiterhin gibt es kaum Unterschiede zwischen Arbeitslosen und Beschäftigten. Dies steht im Einklang mit den Befunden aus den oben erwähnten Prozessdatenanalysen. Anders als bei den hier präsentierten Befragungsergebnissen ging es dort sogar um einen Sechsjahreszeitraum und zudem um das Belegen, nicht das Abschließen eines Moduls.

Abbildung 2 zeigt in zwei getrennten Kreisdiagrammen, an wie vielen Teilqualifizierungen die aktuell Teilnehmenden und früheren Teilnehmenden bereits teilgenommen haben. 53 Prozent der aktuell teilnehmenden Personen gaben an, in den letzten zwei Jahren (noch) kein Modul abgeschlossen zu haben. 30 Prozent haben bereits ein Modul abgeschlossen und 18 Prozent zwei Module oder mehr. Bei den ehemaligen Teilnehmenden hatte die Mehrheit von 75 Prozent nur ein Modul abgeschlossen, 19 Prozent zwei oder mehr und 7 Prozent kein Modul.

Dass von den früheren Teilnehmenden häufig nur ein Modul abgeschlossen wurde, könnte – wie oben bereits angesprochen – teils damit zusammenhängen, dass relativ viele Förderungen im Bereich der Fahrzeugführung erfolgen: Ein Führerschein könnte in vielen Fällen bereits ausreichen, um einer neuen Tätigkeit nachzugehen. Der Anteil der Personen, die ein Modul im Bereich Fahrzeugführung belegten, ist in der Gruppe der früheren Teilnehmenden dabei höher. Insgesamt können sich 68 Prozent aller Befragten vorstellen, in den kommenden zwölf Monaten an einem weiteren Modul teilzunehmen (ohne Abbildung). Arbeitslose und Beschäftigte unterscheiden sich dabei kaum in ihrer Teilnahmebereitschaft.

Rund die Hälfte der Befragten sieht in einer Umschulung eine mögliche Alternative zur Teilqualifizierung

Für Geringqualifizierte, die einen Berufsabschluss nachholen wollen, können Teilqualifizierungen eine Alternative zur Umschulung sein. Das hängt aber auch davon ab, ob sie über alle Optionen informiert sind, die für sie – zumindest formal – in Frage kommen. Den Angaben der Befragten nach wurden Umschulungen als Alternative im Gespräch mit der Arbeitsagentur, dem Jobcenter oder dem Arbeitgeber nur teilweise thematisiert (Abbildung 3).

Abbildung 3 zeigt anhand gestapelter Balken, ob Umschulung als Alternative zur einer Teilqualifizierung mit der Arbeitsagentur/dem Jobcenter bzw. dem Arbeitgeber thematisiert wurde. Außerdem zeigt die Abbildung, ob aktuell Teilnehmende bereit wären, alternativ an einer Umschulung teilzunehmen bzw. ob frühere Teilnehmende bereit gewesen wären, statt der letzten Teilqualifizierung eine Umschulung zu machen. Es wird jeweils der Anteil an Personen ausgewiesen, die das bejahen, verneinen oder angeben, es nicht zu wissen. 40 Prozent der bzw. 23 Prozent der Befragten haben mit der Arbeitsagentur/dem Jobcenter bzw. dem Arbeitgeber über eine Umschulung gesprochen, 60 Prozent der aktuell und 45 Prozent der ehemaligen Teilnehmenden wären bereit gewesen, alternativ an einer Umschulung teilzunehmen.

Wenn die Qualifizierung mit der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter geplant wurde, wurde in 40 Prozent der Fälle auch über eine Umschulung als Alternative gesprochen – mit Beschäftigten etwas häufiger als mit Arbeitslosen. In Gesprächen mit Arbeitgebern war dies nur bei rund jeder vierten Person der Fall. Das Nachholen eines Berufsabschlusses scheint also bei Agenturen für Arbeit und Jobcentern stärker im Fokus zu stehen als bei Arbeitgebern.

Tatsächlich können sich 60 Prozent der Befragten, die aktuell an einer Teilqualifizierung teilnehmen, alternativ zur Teilnahme an einem Modul eine Umschulung vorstellen, wobei der Anteil unter den Arbeitslosen höher ist als unter den Beschäftigten. Bei den ehemaligen Teilnehmenden sind es 45 Prozent. Hier gibt es jedoch kaum einen Unterschied zwischen (vormals) Arbeitslosen und Beschäftigten.

Dort, wo eine Umschulung ein Gesprächsthema war, ist die potenzielle Teilnahmebereitschaft höher (69 %). Aber auch dort, wo sie kein Thema war, sehen rund 40 Prozent in der Umschulung eine mögliche Alternative. Insgesamt besteht also durchaus eine vergleichsweise hohe Bereitschaft, weitere Module oder eine Umschulung zu absolvieren, um einen Berufsabschluss nachzuholen.

Aktuell Teilnehmende wurden außerdem nach den zwei wichtigsten Erwartungen an die Teilnahme an einer Teilqualifizierung gefragt, frühere Teilnehmende nach den zwei wichtigsten Auswirkungen der Teilnahme. 28 Prozent der aktuell Teilnehmenden und 12 Prozent der früheren Teilnehmenden nannten hier den Erwerb eines Berufsabschlusses (ohne Abbildung). Aktuell Teilnehmende und frühere Teilnehmende könnten sich bezüglich ihrer Motive für die Teilnahme unterscheiden. Möglicherweise haben sich bei den früheren Teilnehmenden aber auch die Erwartungen an eine Teilqualifizierung nicht immer erfüllt. Das Motiv, einen Abschluss nachzuholen, spielt bei Beschäftigten im Schnitt etwas häufiger eine Rolle als bei Arbeitslosen. Die am häufigsten genannten Erwartungen und Auswirkungen sind bei beiden Gruppen jedoch eine Verbesserung der Beschäftigungschancen und die Möglichkeit, sich in einem Bereich weiterbilden zu können, der Freude macht.

Fazit

Für die arbeitsmarktpolitische Bewertung von Teilqualifizierungen ist von Bedeutung, inwieweit diese die Arbeitsmarktchancen der Geförderten verbessern und zugleich Personen erreichen, die sonst möglicherweise gar keine Weiterbildung angetreten hätten. Die Studie von Thomas Kruppe und anderen belegt, dass Geförderte tatsächlich bessere Beschäftigungschancen haben als nicht geförderte Personen.

Die hier vorgestellten Befunde aus einer Online-Befragung von aktuellen und ehemaligen Teilnehmenden aus dem Jahr 2025 zeigt: Nur ein Teil der Befragten wäre bereit gewesen, statt einer Teilqualifizierung eine längere Umschulung zu absolvieren. Das spricht dafür, dass das Instrument zumindest teilweise eine Zielgruppe anspricht, die andernfalls nur schwer für eine Qualifizierung zu gewinnen gewesen wäre.

In aller Kürze

  • Teilqualifizierungen können für Geringqualifizierte, die einen Berufsabschluss nachholen möchten, eine flexible Alternative zu Umschulungen darstellen. Denn sie bestehen aus mehreren Modulen, an deren Ende auch ein Berufsabschluss stehen kann.
  • Befragungsergebnissen zufolge wird meist nur ein Modul abgeschlossen.
  • Die Initiative für die Teilnahme geht überwiegend von den Befragten selbst aus. Das gilt insbesondere bei Arbeitslosen.
  • Rund die Hälfte der Befragten sieht eine Umschulung als geeignete Alternative für die eigene Qualifizierung. In Gesprächen mit der Arbeitsagentur oder dem Jobcenter wurde diese Alternative in 40 Prozent der Fälle thematisiert, in Gesprächen mit dem Arbeitgeber nur in 23 Prozent.

Daten

Im Sommer 2025 wurden Teilnehmende an Teilqualifizierungen vom IAB zu einer Befragung eingeladen. Dafür erhielten alle Personen, die im Zeitraum Mitte Mai 2023 bis Mitte Mai 2025 eine durch die BA geförderten Teilqualifizierung begonnen hatten (ca. 28.000), eine postalische Einladung zur Teilnahme an einer Online-Befragung.

Für die hier präsentierten Ergebnisse wurden Antworten von 632 Personen ausgewertet, die zum Zeitpunkt der letzten Teilqualifizierung nach eigenen Angaben entweder arbeitslos (417 Personen) oder sozialversicherungspflichtig beschäftigt (215 Personen) waren. Da die Teilnahmewahrscheinlichkeit an der Befragung von den Merkmalen der eingeladenen Personen abhängen kann, werden gewichtete Ergebnisse dargestellt.

Literatur

Kruppe, Thomas; Lang, Julia; Osiander, Christopher (2024): Teilqualifizierungen – wie häufig werden sie eingesetzt und wer nimmt teil?. In: IAB-Forum, 5.8.2024.

Kruppe, Thomas; Lang, Julia; Osiander, Christopher (2023): Effekte von Teilqualifizierungen auf Beschäftigung und Einkommen. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 75, S. 477–504.

 

Bild: fehlt noch
DOI: 10.48720/IAB.FOO.20260504.01

Lang, Julia; Lawkert, Alexander; Osiander, Christopher; Stephan, Gesine (2026): Teilqualifizierung: Die meisten Teilnehmenden schließen nur ein Modul ab, In: IAB-Forum 4. Mai 2026, https://iab-forum.de/teilqualifizierung-die-meisten-teilnehmenden-schliessen-nur-ein-modul-ab/, Abrufdatum: 13. May 2026

 

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